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Börsenwissen: Zusammenhang zwischen Schulden, Zinsniveau, Inflation und Börse Teil 1

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Wenn wir von Schulden sprechen, dann meinen wir natürlich die Staatsschulden und beim Zinsniveau interessieren uns nur die Leitzinsen.

Einigen wird es vielleicht aufgefallen sein, aber der Goldpreis ist wieder einmal in die Höhe geschossen. Das liegt an der gestiegenen Nachfrage, sicher. Und es liegt an den autokratischen Staatssystemen, die versuchen, sich von den westlichen Währungen abzukoppeln. Eine neue Leitwährung braucht nun einmal Stabilität, um sie vertrauenswürdig erscheinen zu lassen und da ist Gold die richtige Basis und nicht wie immer wieder angenommen, eine Kryptowährung, egal welche.

Und während die Goldkäufe zunehmen, wachsen die Schuldenberge in den westlichen Ländern. Ok, mit der Ausnahme Deutschland, denn wir haben eine im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse, allerdings hier müssen wir konstatieren, noch! Denn es gibt immer wieder Äußerungen von Politikern die Schuldenbremse zu reformieren, was nichts anderes bedeutet als die Schuldenbremse als ein gut gemeintes aber schlecht gemachtes Instrument ganz abzuschaffen. Was das für Folgen nach sich zieht sehen wir bspw. in Japan.

Schauen wir also in das Land der aufgehenden Sonne. Hier sehen wir, wie schwer es ist, aus diesem Teufelskreis der ungebremsten Schuldenaufnahme auszubrechen. Seit den 90er Jahren läuft die Schuldenuhr in Japan immer schneller. Nach Rekord-Injektionen ins Geldsystem während der Corona-Pandemie versucht die Bank of Japan nun ganz zaghaft, die Zinswende einzuleiten. Doch mehr als ein symbolischer Schritt ist nicht drin, wie Zentralbanker vor wenigen Wochen durchblicken ließen. Die japanische Währung sinkt seitdem gen Süden.

Ein sinkender Yen ist gut für die Exportwirtschaft Japans. Doch Japan ist, ähnlich wie Deutschland, auf den Zukauf von Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen. Sinkt der Yen zu stark, dann hilft auch der niedrige Yen dem Export nicht mehr: Teure Importe sorgen dafür, dass der Gewinn im Inland schmilzt. Ein Anheben des Zinsniveaus, um den Yen attraktiver zu machen, ist schwer möglich: Zu hoch ist der Schuldenberg, den das Land Japan inzwischen aufgebaut hat. Zwar liegt der Großteil der Schulden in der Bilanz der Bank of Japan sowie in den Pensionsfonds der japanischen Unternehmen, doch die Zinslast für die japanische Regierung wird schnell zu einem Problem anwachsen, wenn die Zinsen steigen. Gut ist, dass sich ausländische Banken größtenteils nicht an der enormen Verschuldung Japans beteiligt haben. Immerhin sprechen wir von einer Staatsverschuldung von umgerechnet ca. 7,9 Billionen Euro für 2023 (Deutschland 2,624 Billionen Euro für 2023).

Wenn nun die hohen Importpreise Unternehmensgewinne schmelzen lassen und folglich die Konjunktur belastet, steht der Bank of Japan bei einem Zinsniveau von aktuell +0,1 Prozent kein wirklich gutes Instrument mehr zur Verfügung, um die Konjunktur anzukurbeln. Höchstens Staatsinterventionen und diese wiederum finanziert durch die Bank of Japan. Insgesamt gesehen, kein schöner Ausblick für den auf den Prinzipien der Marktwirtschaft aufbauenden Westen.

Nun sind wir in Europa noch nicht ganz so weit wie in Japan. Die EZB hat die Zinswende radikaler und schneller umgesetzt als die BoJ. Aber Fakt ist auch, dass die Liquiditätsspritzen der vergangenen Jahre nicht zu neuem Wachstum geführt haben. Das war auch von vielen Ökonomen erwartet worden. Aber immerhin können wir noch etwas zur Ankurbelung der Konjunktur tun. Alles schaut wieder auf die Zinspolitik der EZB. Die soll es in Europa wieder einmal richten. Von Strukturreformen ist von den Regierungen nichts zu erwarten, denn irgendein europäisches Land wählt immer mal wieder, die politische Weltlage hat sich nun mal verändert, der Fachkräftemangel etc. Wir kennen all die Argumente gegen tiefgreifende Reformen und wir akzeptieren sie auch, es geht uns ja noch gut.

Aber mit den sehnlichst erwarteten Zinssenkungen holen wir uns das Gespenst der Inflation wieder ins europäische Haus. Obwohl, die Inflation war nie wirklich weg. Doch dieses Mal wird es nicht die eine oder zwei Zinssenkungen in diesem Jahr sein, die die Inflation wieder hochpeitschen wird, sondern wir importieren die Inflation durch die teuren Rohstoff- und Vorprodukteinfuhren. Wobei die Preise für Öl und Gas wahrscheinlich nicht die Preistreiber allein sein werden, sondern Rohstoffe wie bspw. Kupfer, Seltene Erden… Und Ihr Autor möchte auch noch auf die Agrarrohstoffe hinweisen, die geradezu explodieren und die Preise in nur eine Richtung treiben und die spüren dann die Verbraucher etwas zeitverschoben bei den täglichen Einkäufen.

Mhm und was hilft dann wieder gegen das Gespenst der Inflation? Wir ahnen es, die Geisterjäger der Zentralbanken, die sie mit steigenden Zinsen in Ermangelung von Alternativen bekämpfen müssen.

Neues vom Clubfonds: Siemens Energy AG

siemens energy

Die Siemens Energy AG ist ein weltweit tätiger Industriekonzern auf dem Energiesektor. Die Gesellschaft spaltete sich im September 2020 als eigenständiges Unternehmen von der Mutter Siemens AG ab. Siemens Energy ist nahezu entlang der gesamten Energie-Wertschöpfungskette tätig. Das Unternehmen bietet Lösungen zur Energieübertragung und Stromerzeugung an. Zu den wichtigsten Produkten zählen vor allem Gas- und Dampfturbinen, Generatoren, Transformatoren, Kompressoren und weitere Kraftwerkstechnologien für unterschiedliche Energiequellen. Unter anderem werden eine Vielzahl von Industrieanwendungen für die Öl- und Gasindustrie angeboten. Außerdem entwickelt die Siemens Energy Technologien im Bereich neuer Energien, wie beispielsweise moderne Wasserstofftechnologien. Über die Mehrheitsbeteiligung an Siemens Gamesa Renewable Energy ist das Unternehmen mit Windenergietechnologien und -dienstleistungen im Bereich erneuerbarer Energien tätig und zählt zu den weltweiten Marktführern.

Unser Depotwert ist nach der Präsentation der Quartalszahlen vergangene Woche deutlich geklettert und notiert – nach einem eher verhaltenen Start in die neue Börsenwoche – nun bei gut 24 Euro. Wie wir sehen, hat sich der Kurs des Papiers seit Jahresbeginn sogar verdoppelt.

Das zweite Quartal (das abweichende Geschäftsjahr hat Oktober 2023 begonnen) der zuletzt kriselnden Siemens Energy ist besser ausgefallen als erwartet. Und noch etwas ist für Anleger besonders interessant: Der DAX-Konzern hat die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Für die Zukunft wichtig ist auch der Fakt, dass die in der Vergangenheit wirklich äußerst verlustreiche spanische Windkraft-Tochter Siemens Gamesa bereits 2026 wieder profitabel werden soll.

Im zweiten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hat Siemens Energy rund 8,28 Milliarden Euro Umsatz erzielt – auf vergleichbarer Basis sind es 3,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch beim Gewinn konnte der Energietechnik-Konzern zulegen, denn unterm Strich blieben im zweiten Quartal 108 Millionen Euro in der Firmenkasse. Und das nach einem Minus von 189 Millionen Euro im Quartal des Vorjahres.

Kein Wunder, für das Gesamtjahr ist Siemens Energy nach den frischen Zahlen deutlich optimistischer: Wurde im Vorfeld noch ein Umsatzwachstum zwischen drei und sieben Prozent für das laufende Jahr prognostiziert, rechnet das Unternehmen nun mit zehn bis zwölf Prozent mehr Umsatz als in 2023. Beim Gewinn nach Steuern plant der Münchener Konzern weiterhin mit einer Milliarde Euro.

Die deutlich angehobene Prognose hat die Märkte überzeugt und die Siemens Energy-Aktie weiter klettern lassen. Neben der starken Nachfrage ist für viele vor allem die Wende beim bisher desolaten Windkraft-Geschäft von Bedeutung. Bis 2026 will das Unternehmen mit der kriselnden Tochter Gamesa wieder schwarzen Zahlen schreiben.

Laut CEO Christian Bruch hat die „Wende im Windgeschäft weiterhin absolute Priorität.“ Darüber hinaus kann Siemens Energy mit einem Auftragsbestand auf Rekordniveau punkten. Mit 119 Milliarden Euro sind die Auftragsbücher so voll wie nie zuvor. Für unseren Depotwert ist das natürlich eine sehr gute Nachricht, die sich auch im Chart widerspiegeln. Seit dem Sommer vergangenen Jahres ist das Papier zunächst von mehr als 20 Euro bis im Herbst in den einstelligen Bereich (Jahrestief bei 6,40 Euro) gerauscht. Nach einer 200 Prozent-Rally seit Ende Oktober notiert das Papier nun wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Trotz des starken Kursverlaufs und jederzeit möglicher Rücksetzer bietet die Siemens Energy-Aktie Langfrist-Anlegern noch Chancen.

Und der Kurs wird wahrscheinlich noch einmal zurückkommen. Warum? Die Margen-Prognose wurde ebenfalls leicht verbessert, während die Zielmarke von einer Milliarde Euro Jahresgewinn bestehen bleibt. Diese Prognose deutet jedoch darauf hin, dass Siemens Energy im zweiten Halbjahr voraussichtlich Verluste einfahren wird, da der Gewinn nach dem ersten Halbjahr bereits bei fast 1,7 Milliarden Euro liegt, was deutlich über der Zielmarke für das Jahresende liegt.

Ausgebremst wird unser Depotwert derzeit vor allem durch die defizitäre Windturbinensparte Siemens Gamesa. Siemens Energy hatte den spanischen Windturbinenhersteller im Februar 2023 vollständig übernommen und sich damit neben Branchengrößen wie dem dänischen Vestas-Konzern als einer der führenden Player in diesem Multi-Milliarden-Markt positioniert. Aufgrund massiver Qualitätsprobleme bei der Produktion von Onshore-Windkraftanlagen sah sich Siemens Energy Ende August 2023 genötigt, den Vertrieb von Onshore-Plattformen vom Typ 4.X und 5.X auf Eis zu legen. Die anhaltenden Qualitätsprobleme bei Siemens Gamesa sorgten auch bei Siemens Energy für deutliche Bremsspuren beim Konzernergebnis, wobei man allein im Fiskaljahr 2022/23 aufgrund von Qualitätsmängeln und hohen Reparaturkosten im Windturbinensegment einen Milliardenverlust quittieren musste.

Ein gestartetes Sanierungsprogramm soll Gamesa bis 2026 wieder in die Gewinnzone führen und langfristig zu zweistelligen positiven Margen verhelfen. Der Plan beinhaltet eine Fokussierung auf die Windkraftmärkte in Europa und den USA, Anpassungen der Produktionskapazitäten sowie eine Straffung der Unternehmensstruktur durch Zusammenlegung von Geschäftsbereichen und Abbau von Hierarchieebenen. Hoffen wir, dass die Probleme wirklich dadurch gelöst werden, obwohl der Zeitrahmen bis 2026 ihrem Autor sehr ambitioniert erscheint. Lassen wir es uns nur an einem Punkt festmachen, Qualitätsprobleme durch ein hartes Sanierungsprogramm zu lösen, sollten bei unserem Depotwert noch einmal hinterfragt werden, denn hier hilft nur ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm und Qualitätsmanagement.
Dennoch gilt: “The trend is your friend.” Wer investiert ist, wie wir auch, sollte dabei bleiben. Neueinsteigern und Nachkäufern ist dagegen zu empfehlen, noch das zweite Halbjahr abzuwarten, um dann bei einem erwarteten Rücksetzer günstig zuzuschlagen.

Mit der Schuldenbremse fährt Deutschland ungebremst vor die Wand – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Es kommt bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2025 zu einem wahrhaften Showdown. Fast alle Ressorts fordern mehr Geld als sie bekommen können. Finanzminister Christian Lindner lehnt die Vorschläge daher ab. Formal gesehen kann er gar nicht anders, die Schuldenbremse, die eine maximale Neuverschuldung von 0,35 Prozent pro Jahr erlaubt, zwingt ihn dazu. Allerdings stellt er sich auch persönlich hinter die Schuldenbremse und lehnt Sonderhaushalte ab, wie es diesen zum Beispiel in der Corona-Krise gab. Zwischen ihm und Verteidigungsminister Boris Pistorius ist ein offener Streit ausgebrochen, denn Pistorius fordert für die Bundeswehr einen solchen Sonderhaushalt. Das ist nur nachvollziehbar.

Die neue Sicherheitslage, die seit Ausbruch des Ukraine-Krieges offenkundig ist, verlangt, dass Deutschland wieder wehrfähiger wird. Das gilt umso mehr, sollte Donald Trump wieder zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden. Das Beistandsversprechen der USA wackelt dann, insbesondere wenn Deutschland auch zukünftig deutlich weniger in Relationen zu seinem Bruttoinlandsprodukt für die Verteidigung ausgibt als die USA. Hier kann man Trump durchaus verstehen. Ohne Sonderhaushalt wird dies aber nicht möglich sein.

Nicht nur für die Bundeswehr muss mehr Geld bereitgestellt werden
Wäre es nur der Verteidigungshaushalt, der aufgestockt werden muss, ließe sich sicherlich ein Weg finden. Aber dieses Land muss momentan an extrem vielen Stellen massiv investieren. Da ist die marode Infrastruktur, insbesondere die der Bahn, aber auch der Brücken von Bahn und Straße. Hinzu kommt die riesige Aufgabe, dieses Land klimaneutral zu machen. Zudem ist Deutschland als Investitionsstandort auch deswegen unattraktiv, weil die Abgabenlast zu hoch ist. Lindner will deshalb die Steuern senken, hat dafür aber selbst keinen Spielraum.

Die Schuldenbremse muss schnellstens weg
Wenn Deutschland in vielen Bereichen nicht vollkommen zurückfallen will, muss die Schuldenbremse schnellstmöglich abgeschafft werden. Wir haben uns da ein Korsett geschnürt, das viel zu eng ist. Wie sollen wir beispielsweise mit den USA mithalten, die sich seit der Finanzkrise ständig zwischen drei und zehn Prozent verschulden. In diesem Jahr sind es rund sieben Prozent. Das ist womöglich übertrieben in die andere Richtung, sorgt aber für einen enormen Auslandsinvestitionsschub auf der anderen Seite des Atlantiks. Auch Frankreich zieht mittlerweile durch Strukturreformen im Bereich des Arbeitsmarktes, der Renten und einer Unternehmenssteuerreform in Sachen Auslandsinvestitionen an Deutschland vorbei. Während seit 2017 hierzulande die Auslandsinvestitionen um 35 Prozent zurückgegangen sind, sind sie in Frankreich um 20 Prozent gestiegen. Es ist also allerhöchste Zeit, die wichtigen Investitionen vorzunehmen. Kein anderes Land hat eine solche Schuldenbremse in der Verfassung verankert und das aus gutem Grund.

Konservative Ökonomen irren
Konservative Ökonomen, die die Schuldenbremse nach wie vor verteidigen, meinen, man solle einfach die sinnlosen Ausgaben des Staates einsparen und so die notwendigen Investitionen finanzieren. Das ist nicht von der Hand zu weisen, aber kaum praktikabel. Denn diese Forderung gibt es seit Jahrzehnten, keine Regierung aber hat es geschafft, hier so konsequent zu sparen. Subventionen streichen, lautet oft das Stichwort. Wir haben aber gesehen, welchen Aufstand allein die Streichung der Agrardieselsubventionen hervorgerufen hat. All diese Kämpfe zu führen, dafür reicht die Zeit nicht.

Die konservativen Ökonomen leben in einer Modellwelt, die es nicht gibt. In einer Demokratie lassen sich Sparmaßnahmen nur bis zu einem gewissen Grad durchsetzen, ansonsten wird man abgewählt. Die Nachfolgeregierung gibt das Geld dann wieder aus, um ihre Wahlversprechen zu erfüllen. Deutschland war das erste Land, dass das Maastricht-Kriterium einer Neuverschuldung von drei Prozent pro Jahr vom Bruttoinlandsprodukt gerissen hat, und zwar in der Zeit als die Hartz-Reform der Agenda 2010 eingeführt wurden. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wusste, dass man Grausamkeiten nur begehen kann, wenn man vorübergehend woanders ein bisschen lindert. Emmanuel Macron macht es in Frankreich jetzt nicht anders.

Die CDU ist keine Lösung des Problems, sie macht es eher schlimmer
Das dramatische an der Situation ist, dass auch mit einem Regierungswechsel hin zu einer CDU-geführten Regierung eine Abschaffung oder Aufweichung der Schuldenbremse kaum noch denkbar ist. In verantwortungsloser Weise hat sich der vermeintliche Kanzlerkandidat der CDU Friedrich Merz auf dem jüngsten Parteitag nochmals für die Schuldenbremse ausgesprochen. Von diesem Standpunkt wird er kaum wegkommen, zumal er der aktuellen Regierung das Umwidmen des Corona-Sonderhaushaltes ja beim Verfassungsgericht weggeklagt hat. Die dann in der Opposition befindlichen Parteien würden den Spieß sicher umdrehen, würde er die Schuldenbremse antasten.

Aktieninvestitionen in Deutschland fordern mehr Selektivität
Ist der deutsche Aktienmarkt damit abzuschreiben? Schaut man sich die jüngsten Rekorde im DAX an, ganz offenbar nicht. Irrt der Markt hier kolossal? Nicht unbedingt. Man darf nicht vergessen, dass die DAX Unternehmen ihre Umsätze zu 80 Prozent im Ausland erzielen. Dennoch werden Investitionen in deutsche Aktien in Zukunft mehr Selektivität erfordern. Lange lief der MDAX beispielsweise besser als der DAX. Die im MDAX enthaltenen Unternehmen sind allerdings mehr von der heimischen Konjunktur abhängig, warum er wahrscheinlich zuletzt auch deutlich schlechter lief.

Man wird sich also bei deutschen Aktien anschauen müssen, wie sehr sie vom Standort Deutschland und der hiesigen Konjunktur abhängen. Ist die Abhängigkeit stark, ist Vorsicht angebracht. Denn so wie es derzeit aussieht, besteht wenig Hoffnung, dass dieses Land sich runderneuern kann. Die Fähigkeit hätten wir ganz sicherlich, die Schuldenbremse, sorgt aber dafür, dass wir mit der aktuellen Politikergeneration ungebremst gegen die Wand fahren. Wahrscheinlich muss es erst noch deutlich schlechter werden, bevor sich die Parteien für das Richtige entscheiden, und nicht für das, was in Deutschland populär ist. Denn die breite Bevölkerung glaubt ja immer noch, ein solider Staatshaushalt sei der Weg zu mehr Wohlstand. Länder wie die USA und China zeigen, dass dies nicht der Fall ist, wenn die Schulden für die richtigen Maßnahmen ausgegeben werden.

Das übliche Auf und Ab an den Märkten

Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Dank der Corona-Impfung schrieben Pfizer, Biontech und Moderna während der Pandemie gewaltige Gewinne. Unser Depotwert Roche in Basel wiederum profitierte von Corona-Tests, die sich in großer Zahl und in hoher Frequenz durchführen ließen. Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Die Aktienkurse der Covid-19 Gewinner sind im Keller. Während Roche den Umsatz zumindest einigermaßen stabil halten konnte, sind die Verkäufe der Impfstoff- Produzenten regelrecht eingebrochen. Ein Beispiel: Biontech setzte auf dem Höhepunkt der Pandemie in einem Jahr 19 Milliarden Euro um, im ersten Quartal 2024 waren es gerade noch 200 Millionen Euro. Das reicht wahrscheinlich noch nicht einmal für einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro, wenn nicht wieder eine neue Pandemie die Welt erschüttert.

Aber trotz der jüngsten Verluste notieren die Aktienmärkte noch immer in Schlagdistanz zu ihren Rekorden. Wie so oft in solchen Situationen fragen sich viele Anleger, ob sie so nah am Hoch noch einsteigen oder besser auf eine Korrektur warten sollen. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern dazu wertvolle Hinweise. So haben etwa die Kapitalmarktexperten von HQ Trust, dem Family Office von BMW-Patriarch Harald Quandt, für eine neue Analyse die Kurse des MSCI seit 1973 betrachtet, also aus mehr als 50 Jahren. Demnach lohnt sich das Warten auf das nächste Jahrestief in aller Regel nicht, da Anleger bis dahin viel mehr Rendite liegenlassen, als sie nach dem günstigeren Einstieg gewinnen können.

Der Halbleiteraktienindex SOX hat einen herausragenden Jahresstart hingelegt: Im ersten Quartal stieg er um 17,5 Prozent – gut sieben Prozentpunkte mehr als der S&P 500. Das zweite Quartal begann jedoch mit einem Rücksetzer um zwölf Prozent in den ersten drei Aprilwochen. Verantwortlich waren unerwartet niedrige Auftragseingänge eines europäischen Unternehmens, der vergleichsweise verhaltene Ausblick eines taiwanischen Konzerns sowie steigende Kapitalmarktzinsen. Jüngst stabilisierte sich der SOX jedoch wieder, da besonders Aktien von Halbleiterkonzernen zulegten, die Chips für Industrie- und Automobilkonzerne produzieren. Dass nun auch diese Segmente zur Indexentwicklung beitragen, ist als ein positives Zeichen zu werten – schließlich wurde der SOX bisher vor allem durch die Hausse von Chipdesignern und Grafikkartenherstellern getrieben. Ob die gegenwärtige Erholung anhalten kann, wird sich am 22. Mai entscheiden, denn dann legt der Branchengigant Nvidia seine Quartalsergebnisse vor. Alles andere als neue Spitzenwerte wäre eine große Überraschung für die Märkte.

Der EURO STOXX 50 hat im April gut drei Prozent verloren. In dieser Schwächephase konnten sich defensive Sektoren mit der Ausnahme von Energieunternehmen (plus sieben Prozent), die von steigenden Energiepreisen profitieren konnten, am besten halten. Versorger legten 0,5 Prozent zu und die Sektoren Basiskonsum und Gesundheit kamen mit vergleichsweise kleinen Rücksetzern von jeweils minus 0,7 Prozent davon. Schlimmer traf es indes konjunktursensitive Sektoren. Zyklischer Konsum (minus 5,7 Prozent), Grundstoffe (minus 5,4 Prozent) und Technologie (minus 5,4 Prozent) bildeten die Schlusslichter im Index. Anleger sollten dies jedoch nicht als nachhaltige Entwicklung werten. Die gute Entwicklung der Vormonate haben wohl eher zu Gewinnmitnahmen geführt, sollten Anleger ja immer wieder mal machen.

 

Wir erinnern uns noch an die Wärmepumpen(hysterie) aus den Anfängen der Ampelzeit, die von den grünen Regierungspartnern geradezu befeuert wurde. Aber so wie die grünen Umfragewerte immer weiter zurückgehen, geht auch der Absatz der Wärmepumpen zurück. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie meldete vergangene Woche einen Absatzeinbruch bei Wärmepumpen. Im ersten Quartal wurden nur 46.000 Anlagen verkauft, im Vorjahreszeitraum waren es noch 96.500. Aber auch andere westeuropäische Länder wie bspw. Schweden und die Niederlande haben starke Absatzrückgänge zu verzeichnen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind einerseits die schwache Neubautätigkeit infolge hoher Zinsen und gestiegener Baukosten sowie andererseits der Rückgang der Gaspreise.

Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich im April schwächer als von Analysten im Vorfeld erwartet. Hatten diese mit 240.000 neuen Stellen gerechnet, kamen stattdessen mit 175.000 Stellen so wenig hinzu wie seit sechs Monaten nicht mehr. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg auf 6,5 Millionen, die Arbeitslosenquote auf 3,9 Prozent. Darüber hinaus hat sich auch das Lohnwachstum im April unerwartet abgeschwächt. Damit werden Erwartungen an eine baldige Zinssenkung der Fed wieder genährt, ein erster Zinsschritt wird im September erwartet. Und ein weiterer für Dezember, also nach den Wahlen in den USA. Damit hat die Fed mit ihrer eventuellen Zinssenkung sich aus dem Wahlkampf weitgehend herausgehalten.

Und zum Schluss noch eine Bemerkung zu der Reise des chinesische Präsidenten Xi Jinping in Europa, die ihn nach Paris, Belgrad und Budapest führte. Eine etwas außergewöhnliche Reiseroute, findet ihr Autor. Aber ok, es gab ja doch einiges zu bereden in Paris. Chinas Unterstützung für Wladimir Putin und dessen Krieg zum Beispiel. Hart zur Sache wird es hinter den Kulissen auch in Wirtschaftsfragen gegangen sein. Die EU bereitet Strafzölle in Bereichen vor, auf die man von Deutschland aus mit besonderem Interesse schaut. Billige Elektroautos aus China graben der deutschen Industrie das Wasser ab. Peking kickt mit Subventionsmilliarden die Konkurrenz geradezu aus dem Geschäft. Herr Xi sieht das natürlich anders und wird mit Vergeltungsmaßnahmen drohen, wenn die EU ihm mit Strafen kommt. Allerdings stottert die Wirtschaft bei ihm zuhause eher, als dass sie surrt. China braucht die europäischen Märkte – die EU das Geschäft in China aber auch. Wer zuerst blinzelt, verliert. Und ob Frau von der Leyen geblinzelt hat, die alle EU-Länder, die abseits der Reiseroute des chinesischen Präsidenten lagen, vertreten durfte, werden wir sehr bald sehen.

Der Blick über die Märkte: Rückversicherer

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Ohne Rückversicherer würden wir eine riesige Beitragslast bei den Erstversicherern vor uns herschieben. Deshalb sollten wir uns mit  der Branche der Rückversicherer näher beschäftigen. Und nicht zuletzt auch deshalb, weil unser Depotwert Munich Re wieder gute Zahlen abgeliefert hat, doch dazu später.

Die Rückversicherungsbranche hat natürlich viel mit dem Klimawandel zu tun. Auch wenn 2023 kein Rekordjahr war, der Trend zeigt dennoch klar nach oben. 250 Milliarden Dollar, so hoch fiel der finanzielle Schaden aus, der im zurückliegenden Jahr durch Naturkatastrophen verursacht wurde. Das sind rund 100 Milliarden Dollar weniger als dem Rekordjahr 2017, aber zugleich 100 Milliarden Dollar mehr als der Durchschnitt von zehn Jahren. Der Grund für den steigenden Trend ist in den Augen der meisten Experten offensichtlich: Weil sich das Klima erwärmt, nehmen die Unwetter weltweit zu. Starkregen, Hagel und Überschwemmungen. Was früher eine Ausnahme war, wird heute mehr und mehr zur traurigen Normalität. Dass 2023 dabei nicht ganz so schlimm ausfiel wie 2017, liegt vor allem an einem extremen Wetterereignis in Nordamerika; damals wüteten dort gleich drei Hurrikans. Sie führten unter dem Strich zur Rekordschadenssumme von über 350 Milliarden Dollar. Doch nur ein Teil der jährlichen Schadenssummen wird letztendlich durch Versicherungen bezahlt. Wir sehen schon daran, dass es bei der Rückversicherung nicht um Bagatellversicherungen geht. Ein Schaden im Hausrat, die immer wieder einmal passieren, zum Beispiel eine auslaufende Waschmaschine und die damit verbundenen Leistungen durch den Erstversicherer, wird wahrscheinlich keinen Vorstandschef ins Schwitzen bringen.

2023 beliefen sich die versicherten Schäden auf rund 95 Milliarden Dollar. Doch auch hier zeigt der Trend nach oben. Im Durchschnitt der zurückliegenden zehn Jahre belaufen sich die versicherten Schäden auf 90 Milliarden Dollar, im Durchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre aber schon auf 105 Milliarden Dollar. Das finanzielle Risiko nimmt also für die Versicherungskonzerne zu. Und was machen die mit den Kosten? Richtig, sie legen diese auf die Versicherungskunden um. In Form von steigenden Beiträgen oder im Schlimmsten Fall die Verweigerung von Versicherungen in Hochrisikogebieten, zuletzt erlebt nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Doch letztendlich bleibt ein hohes Risiko für die Versicherungsunternehmen weiter bestehen, wenn etwa Extremereignisse zu außerordentlichen Schäden führen. Das führt dazu, dass sich auch die Versicherer mehr und mehr versichern. In der Branche spricht man von der Rückversicherung, im besten Versicherungslatein auch Reassekuranz oder Zession genannt. Vorteil der Rückversicherung: Die Versicherungsunternehmen können zumindest einen Teil ihrer finanziellen Aufwendungen im Schadensfall über die Rückversicherer zurückholen. Dadurch mindern sie ihre Risiken. Die Rückversicherer wiederum agieren häufig in einem Verbund. An einem größeren Rückversicherungsvertrag sind in der Regel mehrere Rückversicherer beteiligt. Sie teilen sich die aus den Verträgen mit den Versicherungsunternehmen resultierenden Risiken untereinander auf. Rückversicherer wiederum diversifizieren diese Risiken geografisch und über mehrere Sparten hinweg. Das stabilisiert lokale Versicherungsmärkte und sichert die Zahlungsfähigkeit bei Großschäden. Ohne Rückversicherer wäre der globale Versicherungsmarkt deutlich instabiler, urteilen Experten. Der Staat müsste öfter mit Steuermitteln eingreifen, einzelnen Versicherungsunternehmen könnte im Extremfall in die Insolvenz rutschen.

Und natürlich lassen sich das die Rückversicherer gut bezahlen. Nach Daten des Ratinghauses AM Best und des Rückversicherungsspezialisten Guy Carpenter belief sich das Rückversicherungskapital 2023 auf 461 Milliarden Dollar. Das Rückversicherungskapital gilt als Indikator für die bereitgestellte Rückversicherungskapazität. Es ist sozusagen der große Topf, aus dem die Versicherer im Schadensfall bedient werden können. Diese Summe lag 2022 noch bei 431 Milliarden Dollar, konnte also gesteigert werden und wird wohl auch noch weiter gesteigert werden. Wie viele Kapazitäten bereitgestellt werden, hängt davon ab, ob Ertrag und Prämien für die Rückversicherer stimmen. Wie die Versicherungsunternehmen bei ihren Endkunden die Prämien bereits erhöht haben, so haben auch die Rückversicherer ihrerseits die Prämien für die Versicherer angehoben.

Die Gewinnmargen steigen also. Neue Tarifmodelle sehen eine Kostenübernahme erst ab einer bestimmten Schadenshöhe vor, also eine Art Selbstbehalt, den die Versicherungsgesellschaften tragen. 

Zu den weltweit größten Rückversicherer gehören unser Depotwert Münchener Rück und Hannover Rück aus Deutschland, Swiss Re aus der Schweiz, Canadian Life Re aus Kanada – diese Gesellschaft gehört zum Finanzdienstleistungskonzern Great- West Lifeco – und überraschenderweise auch unser Depotwert Berkshire Hathaway aus den USA.

Wie eingangs erwähnt, schauen wir auf die Zahlen von Munich Re und die haben überraschenderweise sehr viel verdient. Nach vorläufigen Zahlen verdiente der Münchner DAX-Konzern unter anderem dank geringer Großschäden und gute Finanzgeschäfte rund 2,1 Milliarden Euro. Das sind fast zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Damit hat der Konzern bereits mehr als 40 Prozent des angepeilten Jahresgewinns von fünf Milliarden Euro erwirtschaftet. Dass Vorstandschef Wenning sein Gewinnziel trotz des starken Jahresstarts nicht anhebt, sollte Anleger kaum überraschen. Der Konzern wartet mit solchen Anpassungen meist bis zum Sommer oder gar bis zum Herbst. Denn Naturkatastrophen und andere Großschäden können Gewinne aus den ersten Quartalen schnell wieder aufzehren. Besser es passiert nichts, das ist gut für die immer betroffenen Menschen und für uns als Aktionäre. Ansonsten gilt der Slogan: besser rückversichert!

Neues vom Clubfonds: Berkshire Hathaway

berkshire

Es war fast wie immer vor ein paar Tagen in Omaha, dem Ort der Hauptversammlung unseres Depotwertes Berkshire Hathaway, auch das „Woodstock der Kapitalisten“ genannt. Naja, nicht ganz, denn Charlie Munger, der kongeniale Partner von Investorenlegende Warren Buffett, ist am 28. November 2023 verstorben, nur 33 Tage vor seinem 100. Geburtstag. So ist es kein Wunder, dass Charlie Munger noch einmal gewürdigt wurde.

Keine andere Zahl kann besser dafür stehen, wie erfolgreich Buffett & Munger das Berkshire-Schiff durch die Börsenwelt steuerten, als die folgende: Wer frühzeitig auf den richtigen Riecher von Buffett gesetzt und beim Start Ende der 60er Jahre 1.000 Dollar in Berkshire-Aktien investiert hat, besitzt heute ein Aktienvermögen im Wert von umgerechnet rund 14 Millionen Euro.

Aber auch dann, wenn man deutlich später eingestiegen ist, konnte man mit dem Berkshire-Papier und der Value-Strategie von Buffett reich werden. Wahrscheinlich hat weltweit kein anderer Investor so viele Aktionäre zu Millionären gemacht. Und die Strategie funktioniert auch heute noch, wie wir immer wieder sehen, wenn Zahlen veröffentlicht werden oder eben die Hauptversammlung stattfindet.

Dabei reden Anleger gar nicht mehr von der A-Aktie, die im Börsenuniversum in längst entschwundenen höheren Sphären von 605.000 Dollar schwebt. Man erinnere sich dabei daran, dass 1969 die Aktie mit 43 Dollar startete.

Aber kommen wir zur heutigen Zeit, denn auch heute werden die Investmententscheidungen von Warren Buffett teilwiese kontrovers diskutiert. Meistens geht es da um die Verkäufe der Holding. Denn einmal gekaufte Werte hält Buffett gemäß seiner stets verfolgten Value-Anlagestrategie sehr lange, auch schon mal über Jahrzehnte.

Unser Depotwert Apple ist im Depot von Berkshire ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte. In absoluten Zahlen dürfte das Investment in Apple zu den erfolgreichsten der Geschichte gehören. Seitdem Berkshire Anfang 2016 damit begonnen hat, Apple-Aktien zu kaufen, hat sich der Kurs mehr als versiebenfacht. Ende des vergangenen Jahres war die Position 174,3 Milliarden Dollar wert. Und nun wurden Apple-Anteile im ersten Quartal teilweise veräußert. Da hat man sich schon gefragt, warum? Gehören die Aktien plötzlich nicht mehr zu den „Glory 7“, wie schon öfter spekuliert wurde?

Die Erklärung ist einfach. Im ersten Quartal hat man einen Teil der Gewinne eingetütet und die Zahl der Aktien von 905 auf 790 Millionen Stück reduziert. Der Wert des Anteils wurde in den veröffentlichten Geschäftszahlen per 31. März mit 135,4 Milliarden Dollar ausgewiesen. Da der Apple-Aktienkurs danach im ersten Quartal des laufenden Jahres jedoch nur um elf Prozent fiel, hat sich Berkshire in besagtem Zeitraum offenbar von 13 Prozent seiner Apple-Papiere getrennt. Der Verkauf sei vor allem aus steuerlichen Gründen erfolgt. Während der üblichen Frage- und Antwortrunde auf der jährlichen Aktionärsversammlung sagte Buffett, es sei “äußerst wahrscheinlich”, dass Apple weiterhin die größte Position von Berkshire Hathaway bleibe.

“Es sei denn, es passiert etwas wirklich Außergewöhnliches. Wir werden Apple, American Express und Coca-Cola auch dann noch besitzen, wenn Greg diesen Platz übernimmt”, sagte Buffett und bezog sich dabei auf seinen designierten Nachfolger Greg Abel.

Berkshires Barreserven schwollen auf rekordhafte 189 Milliarden Dollar an. Zudem wies das Unternehmen dank einer florierenden Versicherungssparte einen Anstieg des Betriebsgewinns im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent auf 11,22 Milliarden Dollar aus.

Und die 189 Milliarden Dollar sind nicht etwa nur auf dem Konto von Berkshire Hathaway geparkt, sondern sind vor allem in kurzlaufenden US-Anleihen investiert und bringen aktuell in etwa eine jährliche Rendite von 5 Prozent.

Im operativen Geschäft erzielte Berkshire im ersten Quartal 2024 einen Umsatz von 89,87 Milliarden Dollar nach 85,39 Milliarden im Vorjahr. Das operative Ergebnis vor Steuern hat sich von 9,30 auf 13,34 Milliarden Dollar erheblich verbessert.

Den Schätzungen zufolge, die wahrscheinlich einen Value Investor wie Buffett wenig interessieren, soll das operative Ergebnis nach Steuern in diesem Jahr in etwa bei 40 Milliarden Dollar liegen. Das operative Geschäft liegt bei 600 Milliarden Dollar.

Bezieht man die Schulden in Höhe von 82 Milliarden sowie die Barmittel in Höhe von 189 Milliarden Dollar in die Rechnung mit ein, steigt der intrinsische oder auch innere Wert von Berkshire um weitere 107 Milliarden Dollar.

In Summe aller weiteren Aktienbeteiligungen 336 Milliarden Dollar und aller geschäftlichen Aktivitäten ergibt sich per Jahresende ein innerer Wert von 975,8 Milliarden Dollar und das bei einem KGV von lediglich 15.

Der aktuelle Börsenwert von Berkshire Hathaway liegt bei 864,5 Milliarden Dollar. Da ist also noch Luft nach oben im Kurs für unseren Depotwert.

Auch im Jahreschart in Euro ist der aufsteigende Trend sichtbar. Von 292,60 Euro als Jahrestief ging es bis zum Jahreshoch von 407,40 Euro im vergangenen Monat nach oben. Aktuell liegt der Kurs bei 376 Euro. Fast schon eine Einladung für die nächste Generation Millionäre.

Wenn ein Markt auf gute Nachrichten nicht mehr reagiert … – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Bis auf Nvidia haben die anderen Magnificent Seven in den USA mittlerweile ihre Quartalsberichte vorgelegt. Alle haben die Analystenerwartungen geschlagen. Dazu kamen Dividendenankündigungen durch Alphabet und ein großes Aktienrückkaufprogramm durch Apple.

Kursverluste gab es dennoch bei Meta, obwohl auch hier Umsatz und Gewinn ebenfalls über den Erwartungen lagen, man störte sich an hohen, zukünftigen Investitionen. Bei Tesla waren die Erwartungen tief, zugegeben, aber am Ende kommt es nur darauf an, dass diese auch geschlagen werden.

Und was für die Magnificent Seven gilt, gilt auch in der bisherigen Quartalssaison für den Rest der Unternehmen, die berichtet haben. Die durchschnittlichen Erwartungen wurden um 8,6 Prozent übertroffen. Das interessante allerdings, die Kursreaktion war mit durchschnittlich minus 0,5 Prozent am Tag nach der Verkündung der Quartalsergebnisse negativ.

Markt zeigt Ermüdungserscheinungen

Üblicherweise hätten bei diesen Ergebnissen die Kurse nach deren Veröffentlichung steigen müssen und auch generell haben wir zuletzt immer neue Rekorde erlebt, wenn die Unternehmen überzeugen konnten.

Das stellt sich in Bezug auf die Ergebnisse für das erste Quartal nun anders da. Der Markt zeigt Ermüdungserscheinungen. Und es gibt das schöne Börsenbonmot: Wenn ein Markt auf schlechte Nachrichten hin nicht mehr steigt, ist er überkauft.

Wenn ein Markt auf schlechte Nachrichten hin nicht mehr steigt, ist er überkauft.

Das könnte aktuell tatsächlich der Fall sein. Viel ist bereits vorweggenommen und so können selbst gute Ergebnisse die Kurse nicht mehr höher treiben. Diese Tatsache kann dann auch eine Indikation für die weitere Börsentendenz in den kommenden Wochen sein. Neue Rekorde halte ich persönlich eher für unwahrscheinlich. 

Egal, wie die Kurse laufen, die Unternehmen sind stark

Guckt man auf die großen Technologiewerte, dann bleibt fraglos wahr, dass es großartige Unternehmen sind. Hohe Gewinnmargen, die sich aufgrund einer großen Marktmacht durchsetzen lassen. Innovative zukunftsgewandte Produkte und Dienstleistungen, Stichwort KI. Letztere wird die Welt sicherlich verändern, so wie einst das Internet die Welt verändert hat. Darauf setzte man an den Börsen Ende der Neunzigerjahre im so genannten Dot.com-Boom. Und die Prognose traf voll ein.

Das Internet veränderte die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen und wie wir einkaufen. Zusätzlich setzte man damals auch auf das Thema Mobilfunk und mobiles Internet. Auch dies realisierte sich genauso wie erwartet.

Trotzdem schaut man beim Blick auf den Dot.com-Boom vor allem auf das Platzen der damaligen Blase an den Börsen. Viele verbinden diesen Boom deshalb mit erheblichen Kursverlusten. Doch die erlittenen Verluste kamen nicht dadurch zu Stande, dass man sich bezüglich der Trends geirrt hatte. Wie erwähnt, wurden die Visionen Wirklichkeit. Die Aktien waren nur damals viel zu teuer. 

So viel zu teuer wie damals sind die großen Technologiewerte von heute ganz sicher nicht. Auch unterscheidet sie, dass sie bereits eine extrem starke Marktstellung haben. Allerdings muss auch hier davon ausgegangen werden, dass der Weg bei den Kursen nicht geradlinig weiter nach oben läuft, sondern es auch mal längere Durstphasen geben kann, und die können nicht nur Monate, sondern auch mal Jahre andauern.

Börsenwissen: Aktienrückkäufe Teil 3

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Psychologie ist bekanntlich ein wesentlicher Einflussfaktor an der Börse. Und so werden sowohl durch Aktienrückkäufe als auch durch Ausschüttungen Botschaften kommuniziert: Das Unternehmen hat genügend Gewinn erwirtschaftet und ist finanziell gesund. Im Falle von Aktienrückkäufen darf man annehmen, dass der Vorstand steigende Gewinne und Kurse antizipiert.  All diese Signale können einen Einfluss auf den Aktienkurs haben. Das Problem ist nur, dass wir die vielen positiven von den wenigen negativen Aktienrückkäufen unterscheiden müssen. Den Unterschied erfahren wir aber nur, wenn wir uns mit den Bilanzen der Gesellschaften ein wenig genauer befassen. Denn wenn für Aktienrückkäufe und/oder Dividenden Fremdkapital aufgenommen werden muss, weil kein Gewinn erwirtschaftet wurde, dann sollten Anleger ihre Kaufabsicht oder Halteabsicht doch kritisch hinterfragen und ggf. die „Sell“-Taste drücken.

Denn wir dürfen auch nicht darüber hinwegsehen, dass ein Aktienrückkauf auch zu einer durchaus gefährlichen Investitionsblase führen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn der sogenannte „Leverage-Effekt“ (dies ist die Hebelwirkung des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrendite. Dabei erhöht sich die Eigenkapitalrendite durch die Verwendung von Fremdkapital) im Spiel ist und Unternehmen den Aktienrückkauf nicht mit Eigenkapital stemmen, sondern Kapital durch die Ausgabe von beispielsweise Unternehmensanleihen oder Bankkredite dafür aufnehmen. Ein solcher Aktienrückkauf ist für Aktionäre deshalb nicht immer unbedingt mit Vorteilen verbunden. Bleiben beispilsweise positive Kurseffekte aus, droht der Aktiengesellschaft eine Überschuldung, da sie das aufgenommene Kapital plus Zinsen ohne zusätzliche Gewinne zurückzahlen muss.

Aktienrückkäufe haben stets Vor- und Nachteile. Zum einen wird dem Unternehmen Cash entzogen, welches unter Umständen für sinnvollere Projekte (z. B. Investitionen, Forschung und Entwicklung) hätte genutzt werden können. Andererseits ist es aus Investorensicht durchaus von Vorteil, der Unternehmensführung möglichst die freien Mittel zu entziehen, damit effizient gehaushaltet wird. Oder anders ausgedrückt, damit kein Blödsinn (z. B. unsinnige Übernahmen) mit freien Mitteln geschieht (kommt leider auch öfters vor als man als Aktionär denkt!). 

Hat ein Unternehmen allerdings einen Liquiditätsüberschuss, kann dieser durch den Aufkauf eigener Aktien in eine Geldanlage umgewandelt werden.

Hier stellen wir nachstehend noch einmal einige Vor- und Nachteile von Aktienrückkäufen stichpunktartig zusammen.

Vorteile von Aktienrückkäufen: 

– Steuerlich vorteilhaft, denn der Gewinn wird nicht wie bei Dividenden realisiert.

– Ausdruck gesunder Finanzen und einer positiven Prognose seitens des Unternehmens.

– Signal, das einen positiven Einfluss auf den Aktienkurs haben kann.

– Verbesserung der Kapitalstruktur.

– Dem Management wird Cash entzogen.

Nachteile von Aktienrückkäufen:

– Fundamentale Kennzahlen werden verfälscht, z. B. der Gewinn pro Aktie.

– Wird oft als Ausdruck strategischer Ideenlosigkeit durch das Management gesehen.

– Unternehmen kann sich mit Aktienrückkauf auch verzocken, z. B. wenn anschließend der Kurs abfällt.

Wenn wir als Aktionäre wissen wollen, wie viele Aktien ein Unternehmen überhaupt ein Unternehmen ausgegeben hat, dann hält uns die Bilanz auf dem Laufenden. Der Bilanz können Aktionäre entnehmen, wie viele Aktien im Umlauf sind und welche Großaktionäre welchen Anteil an Aktien halten und wie viele Anteile im Streubesitz sich befinden bzw. welche Anzahl von Aktien überhaupt als freies Kapital an der Börse gehandelt werden und demzufolge auch zurückgekauft werden können.

Anleger können durchaus Rendite erwirtschaften, wenn sie auf eine Aktienrückkaufstrategie im Gegensatz zur Dividendenstrategie setzen. Da Aktienrückkäufe in einer Hauptversammlung erst beschlossen werden müssen, kommen sie nicht überraschend für die Anleger und sind dann auch befristet also in einer vorgegebenen Zeitspanne zu realisieren. Meistens geben die Gesellschaften vorher bekannt, wann und in welcher Höhe sie Aktien durch Rückkäufe vom Markt nehmen. Anleger können so von steigenden Kursen profitieren und wenn sie die Aktien schon länger als ein Jahr halten, dann können Aktienkursgewinne bei einem Verkauf der Papiere steuerfrei vereinnahmt werden. Und in Kombination mit der Ausschöpfung des Sparerfreibetrages von 1.000 Euro Ledige / 2.000 Euro Verheiratete, lassen sich hier ggf. auch noch ein paar mehr reale Gewinne aus dem Depot erwirtschaften.

Und was macht ein Unternehmen mit später nicht benötigten Anteilen aus Rückkäufen? Langfristig steht dem Unternehmen auch offen, seine nun wieder im eigenen Besitz befindlichen Anteile an den Markt zurückzugeben. Allerdings müssen die Gesellschaften in diesem Fall darauf achten, dass die ausgegebenen Aktienpakete nicht zu groß sind. Denn zu große Aktienpakete könnten sich negativ auf den Kurs auswirken. Andere Anleger würden diesen Kursrückgang ebenfalls als schlechtes Zeichen bewerten und ihre Anteile abstoßen. Die Folge wäre ein stark fallender Kurs.

Wir sehen also, dass Aktienrückkäufe auch mit Licht und Schatten verbunden sind und es ganz genau aufzupassen gilt. 

 

Neues vom Clubfonds: Eli Lilly

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Unser Depotwert, der amerikanische Pharma-Riese Eli Lilly, hat die schon hohen Erwartungen der Marktteilnehmer klar übertreffen können und alle Prognosen geradezu vom Tisch gefegt. Vor allem der Boom bei Tirzepatid-basierten Produkten (Diabetes- Mittel Mounjaro und Abnehmspritze Zepbound) spielt dem Unternehmen voll in die Karten. Von den starken Ergebnissen profitieren neben der Aktie von Eli Lilly auch andere Titel aus der Pharmabranche. 

Doch zunächst schauen wir uns die Zahlen für das erste Quartal 2024 an: Eli Lilly steigerte im ersten Quartal den Umsatz um 26 Prozent auf 8,77 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge lag mit 80,9 Prozent ein Prozentpunkt über den Erwartungen. Unter dem Strich verdiente Eli Lilly 2,58 Dollar pro Aktie und damit deutlich mehr als 1,62 Dollar im Vorjahreszeitraum. Was einer Steigerung von immerhin knapp 60 Prozent entspricht. Im Vorjahr hatten sich hohe Belastungen im Zusammenhang mit Übernahmen sowie gestiegene Forschungs- und Entwicklungskosten niedergeschlagen. 

Es ist richtig, dass die Abnehmspritze Zepbound von Eli Lilly neu auf dem Markt ist, aber wir hatten bisher noch keine Auswirkungen auf ein Quartalsergebnis feststellen können, sondern nur eine Kursexplosion zu verzeichnen. Und jetzt sehen wir, wie erfolgreich sich das Medikament aber auch das Diabetes Medikament Mounjaro im Ergebnis widerspiegelt.

Es handelte sich um das erste Quartal, in dem das Abnehmmedikament Zepbound vollständig am Markt war. Und Eli Lilly generierte trotz der frühen Launch-Phase satte 517,4 Millionen Dollar. Zepbound könnte also nach wohl drei Quartalen bereits Blockbuster-Status erlangen. Diesen hat das Diabetes-Medikament Mounjaro bereits inne, im Auftaktviertel nahm Eli Lilly mit dem Produkt 1,81 Milliarden Dollar ein. Der Umsatz von Mounjaro lag im Vorjahr noch bei weniger als 600 Millionen Dollar.

Logischerweise zeigt sich Eli Lilly nun optimistischer und rechnet für 2024 mit zwei Milliarden Dollar mehr Umsatz. Dieser soll sich nun zwischen 42,4 und 43,6 Milliarden Dollar bewegen. Eli Lilly begründet die höhere Umsatzprognose mit der starken Leistung von Mounjaro und Zepbound sowie die bessere Visibilität der Produktionsausweitung des Unternehmens für den Rest des Jahres. Unter dem Strich peilt Eli Lilly nun ein Ergebnis je Aktie zwischen 13,50 und 14,00 Dollar an (ursprünglich zwischen 13,05 und 13,55 Dollar). Zuvor hatte das Management hier bis zu 12,70 Dollar im Visier nach 6,32 Dollar im Vorjahr. Mit seinen neuen Jahreszielen übertraf Eli Lilly deutlich die Erwartungen der Analysten.

Und die Anleger pushen auf Grund der guten Zahlen den Kurs unseres Depotwertes. Die Aktie von Eli Lilly reagiert mit einem satten Kurssprung von sieben Prozent auf die starken Ergebnisse und nähert sich damit wieder dem bisherigen Rekordhoch an. Und nicht nur das, auf Grund der positiven Entwicklungen bei den Tirzepatid-basierten Produkten (zur Behandlung von Diabetes respektive Adipositas) zieht es auch andere Werte aus diesem Bereich nach oben. Das Papier des Hauptwettbewerbers, unser anderer Depotwert an der Abnehmfront, Novo Nordisk aus Dänemark, gewinnt nach Veröffentlichung der guten Zahlen von Ely Lilly gleich einmal rund drei Prozent dazu. Ebenfalls stiegen die Kurse von weiteren Mitbewerbern, wie bspw. Gerresheimer, Gubra und Co.

Ely Lilly`s Abnehmmittel Zepbound ist in den USA seit November für deutlich mehr Menschen erhältlich ist. Experten rechnen damit, dass dies das bestverkaufte Arzneimittel der Welt wird.

Aber es gibt natürlich auch neue Herausforderungen für Ely Lilly zu bewältigen und die liegen in der gestiegenen Nachfrage nach den Mitteln, die weit über dem Angebot liegen. Das Diabetesmittel Mounjaro und die wirkstoffgleiche Abnehmspritze Zepbound sind aktuell nur schwer zu bekommen. So schwer, dass die Versorgung nach Zahlen der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) wohl auf eine Dosis beschränkt ist. Das berichtet das wallstreet- online Portal unter Berufung auf CNBC. 

Die starke Nachfrage nach Mounjaro und Zepbound kann leicht im zweiten Halbjahr anziehen, so dass die neuen Prognosen weiter übertroffen werden könnten. Und noch etwas kommt hinzu: Zunehmend übernehmen mehr US-Krankenversicherer die Kosten für eine Zepbound-Behandlung, was der Akzeptanz des Mittels zu Gute kommen dürfte. UBS-Analyst Jo Walton hat festgestellt, dass Versicherungen, welche 45 Prozent der US-Bevölkerung abdecken, noch keine Entscheidung zu Zepbound getroffen haben. Sollten diese in weiterer Sicht die Kostendeckung übernehmen und dazu zwingt sie wahrscheinlich der Kampf um die Versicherungskunden, würde eine positive Entscheidung also weiter noch Luft nach oben lassen.

Wir sehen, der Kampf gegen das Übergewicht bringt sehr viel Cash in die Kasse unseres Depotwertes.

Geldpolitisches Fantasialand – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Sechs Zinssenkungen in den USA von jeweils 0,25 Prozentpunkte wurden noch am Jahresanfang am Markt eingepreist. Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, hatte auf der letzten Sitzung im Jahr 2023 Andeutungen gemacht, die die Fantasie der Börsianer entsprechend anregte. Ich konnte diese Zinssenkungsfantasie nie nachvollziehen. Warum sollte eine Notenbank die Zinsen massiv senken, wenn die Inflation noch bei vier Prozent liegt und Vollbeschäftigung herrscht.

Notenbanken sind noch immer in der Komfortzone
Eines muss man sagen, die Notenbanken sind seit Jahrzehnten in einer sehr komfortablen Situation. Jahrelang gab es aufgrund der Globalisierung und des dadurch bedingten Trends zu fallenden Preisen bei Massenprodukten keinerlei Inflation. So konnten sie bei jeder nur aufkommenden Wirtschaftsschwäche die Zinsen senken.

Das war die Zeit, in der der Begriff „Greenspan-Put“ kreiert wurde, weil der langjährige Chef der Fed, Alan Greenspan, bei jeder Krise mit Lockerung der Geldpolitik zur Hilfe eilte und so wie eine Absicherung gegen fallende Aktienkurse wirkte.

Mit der Corona-Krise und dem anschließenden Aufschwung gab es aber nun wieder Inflation und zumindest in Europa auch gepaart mit einer Wirtschaftsschwäche. Aufgrund des demographischen Faktors hat diese bisher aber nicht zu großer Arbeitslosigkeit geführt. Wir haben in Deutschland zwar ein paar 100.000 Arbeitslose mehr als zum Tiefpunkt der Arbeitslosenquote und es gibt auch Pläne für einen größeren Personalabbau, insgesamt herrscht aber nach wie vor eher Personalmangel als -überschuss.

Mit dem Blick auf die gesamte Eurozone, der für die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidend ist, lässt sich festhalten, dass die Arbeitslosenquote auf einem Rekordtief liegt. In den USA läuft die Wirtschaft entgegen allen früheren Erwartungen und Indikationen aufgrund der staatlichen Fördermaßnahmen wie dem Inflation Reduction Act (IRA) ohnehin ziemlich gut, so dass eine Schwäche am Arbeitsmarkt kein Thema ist.

In der Inflation der Siebziger- bis Anfang der Achtzigerjahre war dies anders. Da paarte sich die Rezession mit entsprechender Arbeitslosigkeit und Inflation, so dass die Notenbanken abwägen mussten, wogegen sie mehr kämpfen sollten. Aktuell aber können sie sich entspannt um die steigenden Preise kümmern. Den Leuten drückt der Schuh bei den steigenden Preisen und nicht beim potenziellen Verlust des Arbeitsplatzes. So ist es kein Wunder, dass die Märkte gerade noch gut eine Zinssenkung einpreisen.

Die bereits gestiegenen Zinsen werden den Markt noch beschäftigen
So oder so dürfte es an den Märkten und in der Realwirtschaft noch ein – sagen wir mal – schwieriges Erwachen für die Börsianer geben. Denn allgemein scheint vergessen worden zu sein, dass sich Zinserhöhungen erst mit Zeitverzögerung auf die Wirtschaft und die Märkte auswirken.

Diese üblicherweise zwölf bis 18 Monate könnten diesmal sogar noch länger dauern, da in der Tiefzinsphase viele Schuldner deutlich längere Laufzeiten für ihre Kredite beziehungsweise Anleihen vereinbart haben. Die Auswirkungen dürften auch dann noch spürbar werden, wenn wir womöglich schon die erste Zinssenkung hinter uns haben.

So war es in den großen Krisen der Vergangenheit auch. Nach dem Platzen der Dot.com-Blase und nach der Finanzkrise lagen die Tiefpunkte der Aktienkurse zeitlich nach der letzten Zinssenkung und nicht nach der ersten.

Entscheidend für den weiteren Verlauf wird sein, ob sich eine Rezession in den USA vermeiden lässt. Historisch betrachtet wäre dann trotz gestiegener Zinsen am Aktienmarkt kein großer Sturm mehr zu erwarten. Viele Indikatoren, die bisher zu 100 Prozent treffsicher Rezessionen vorausgesagt haben, wie beispielsweise die inverse Zinsstrukturkurve, zeigen zwar immer noch eine Rezession an. Die massive fiskalische Ankurbelung könnte aber womöglich die erste Ausnahme von der Regel produzieren. Ich bleibe allerdings skeptisch und denke, die Rezession ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.