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Das neue Börsenjahr 2023 – Ein Jahr voller Hoffnung? (I)

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Wir haben auch dieses Jahr keine Kristallkugel, die uns die Zukunft voraussagen kann. Aber einige Dinge sind doch schon klar, weil sie sich als Gesetzmäßigkeiten der Märkte etabliert haben oder man als Anleger auf langjährige ökonomische und politische Erfahrungen zurückgreifen kann.
 

Fakt ist, dass wir 2023 den Krieg in der Ukraine nicht ausblenden dürfen. Russland wird nach Aussagen des Kremls (egal ob von Putin oder seinen verschiedenen Sprachrohren in den Medien veröffentlicht), den Krieg nicht beenden, wenn die Ukraine nicht die Annexion der Krim und die neu für die Russische Föderation eroberten Gebiete anerkennt. Und die Ukraine wird diese Forderungen niemals akzeptieren, sondern die unrecht annektierten Gebiete zurückfordern, einschließlich der Gebiete von Donezk und Luhansk sowie der Krim. Da die Kriegsparteien auf ihren Positionen beharren, müssen Anleger sich auf einen längeren und für beide Seiten verlustreichen Stellungskrieg einstellen. Dieser Krieg wird Rüstungsaktien weiter nach oben treiben. Wir dürfen vermuten, dass irgendwann die ESG-Kriterien auch auf die Rüstungsindustrie ausgedehnt werden, schließlich geht es um die Verteidigung der westlichen Demokratie.

Sollte der Krieg im Jahr 2023 doch beendet werden, geht es an den Wiederaufbau der Ukraine. Wenn die Ukraine gewinnt, dann sind amerikanische und europäische einschließlich deutscher Infrastrukturaktien gefragt. Die Finanzierung des Wiederaufbaus des zerstörten Landes wird dann durch das milliardenschwere Aufbauprogramm internationaler Geldgeber sowie Reparationen Russlands abgesichert.

Da wir nicht sicher sein können, müssen wir als Anleger auch einen anderen Ausgang berücksichtigen. Im Falle Russland siegt in diesem Krieg, sehen wir chinesische Konzerne für den Wiederaufbau als Hauptansprechpartner Moskaus. Die Finanzierungen übernehmen, wie beim Projekt Neue Seidenstraße, die chinesischen Banken. Die Sicherheiten sind durch den Rohstoffreichtum Russlands in jedem Fall vorhanden.

Apropos China, dort führt die Aufhebung der Null-Covid-Strategie bekanntlich zu einer stärkeren Coronawelle, als uns lieb sein kann. Einige Mutationen des Virus werden deshalb wohl auch ihren Ursprung in China haben. Sollte Peking das Virus in der chinesischen Bevölkerung nicht unter Kontrolle bekommen, dann wird China neben den gesundheitlichen weitere schwere wirtschaftliche Probleme bekommen.

Zumal die US-Administration den Wirtschaftskrieg mit dem Reich der Mitte verschärfen. Einige Unternehmen haben China bereits verlassen und sind weitergezogen in das benachbarte Vietnam, wo die Verwertungsbedingungen für das investierte Kapital besser sind als in China. Die Löhne in China sind bereits sehr stark gestiegen und die Menschen dort sind aufgrund der jahrelangen Ein-Kind-Politik bereits total überaltert. In Vietnam, aber auch anderen Ländern Südostasiens, treffen die ausländischen Unternehmen junge, arbeitswillige und bildungsaffine Menschen. Im ersten Halbjahr verzeichnete Vietnam ein Wirtschaftswachstum von 6,4 Prozent, aufs ganze Jahr hochgerechnet erwarten Finanzexperten Raten zwischen sechs und sieben Prozent. Das sind die Werte, von denen China derzeit nur träumen kann. Apple verlagert bereits die Produktion von iPads Apple Watches und MacBook Computern von China nach Vietnam. Samsung siedelt nach der Handyproduktion ein Entwicklungszentrum dort an. Laptops von HP und Dell, Google Handy, Spielkonsolen von Microsoft, all das kommt nicht mehr aus dem Reich der Mitte, sondern aus Vietnam. Auch deutsche Firmen streben nach Vietnam, bspw. die Autozulieferer Brose und ZF, Kärcher, der Baustofflieferant Knauf und der DAX40 Wert Henkel. Die meisten der Firmen lösen sich langsam vom Chinageschäft, ohne es ganz aufzugeben. Wir kommen also nicht umhin, auch den zugegeben noch exotischen Aktienmarkt von Vietnam und der Nachbarländer zu beobachten, da hier bald neue Anlagemöglichkeiten entstehen.

Afrika rückt 2023 mehr in Blick der Anleger. Auch wenn die Pfründe, bedingt durch die westliche Politik des Ignorierens der Chancen des schwarzen Kontinents, verteilt sind (in der Regel an China und Russland), gibt es dort auch für westliche Anleger noch etwas zu holen. Wenn Afrika eins hat, dann ist es Sonne. Für Solaranlagen riesigen Ausmaßes ist Platz genug und es wird schon fleißig produziert, auch wenn es noch weiteres Potenzial zu heben gibt. Es wäre sicher im Interesse der deutschen Wirtschaft, wenn Deutschland im Zeichen der Deglobalisierung seine Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Solarindustrie (auch mit Subventionen!) nutzen würde. Zumal die Ampelregierung eine bedeutende grüne Komponente besitzt.

Afrika bleibt auch weiter für Lieferungen des so dringend benötigten Erdgases und auch für weitere Rohstoffe interessant. Aber hier müssen wir klotzen und nicht nur kleckern, die auf Partnerschaft und Fairness beruhende Entwicklungshilfepolitik muss weiter ausgebaut werden. Vielleicht gelingt Europa der Durchbruch 2023 und den folgenden Jahren. Die afrikanischen Aktienmärkte werden davon profitieren und den Anlegern neue Zukunftsmärkte eröffnen.