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Börsenwissen: MSCI World

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Einer der wichtigsten Indizes für die Beurteilung der internationalen Wirtschaft ist der MSCI World.

Die MSCI Inc. (ehemals Morgan Stanley Capital International und MSCI Barra) ist ein in New York City ansässiger US-amerikanischer Finanzdienstleister, der Finanzdienstleistungen vor allem für das Investment Banking anbietet. Dies umfasst neben internationalen Aktienindizes auch Portfolio- und Risiko- Analysen als auch Research.

Im Jahr 1968 veröffentlichte Capital International die ersten globalen Aktienindizes. Diese wurden von Morgan Stanley im Jahr 1986 lizenziert und unter dem Namen Morgan Stanley Capital International veröffentlicht. 1998 wurde MSCI Inc. von Morgan Stanley und Capital International gegründet. 2004 wurde Barra von MSCI übernommen. MSCI wurde selbst 2007 an der New Yorker Stock Exchange gelistet. 2009 trennte sich Morgan Stanley vollständig von MSCI. 2010 kaufte MSCI Riskmetrics und Measurisk. 2012 wurde IPD Investment Property Databank erworben.

MSCI gibt eine Vielzahl verschiedener Aktienindizes heraus, die nach unterschiedlichen Kriterien zusammengesetzt werden, zum Beispiel nach Ländern oder Regionen und nach der Marktkapitalisierung von Aktien (Large,Cap Mid Cap und Small cap) oder nach sozialer Nachhaltigkeit (Socially Responsible Investing) und zusätzlich nach ökologischer Nachhaltigkeit (Environmental, Social & Governance). Sie werden von vielen Investmentfonds und privaten Anlegern als sogenannte Benchmark (Vergleichsmaßstab) für die Entwicklung der Rendite eines Portfolios verwendet oder es werden Indexfonds auf sie angelegt.

Ein wichtiges Kriterium ist auch der wirtschaftliche Entwicklungsstand eines Landes: Industrieländer (developed markets) werden von Schwellenländern (emerging markets) und Entwicklungsländern an der Grenze zu Schwellenländern (so genannte Grenzmärkte; englisch frontier markets) unterschieden.

Meist werden mehrere dieser Kriterien herangezogen, zum Beispiel für den wichtigen MSCI World Index sowohl der Entwicklungsstand (nur Industrieländer) als auch die Marktkapitalisierung (nur Large- und Mid-Cap-Aktien). Ziel ist es jeweils, die Kursentwicklung von ca. 85 Prozent der frei handelbaren Aktien des entsprechenden Anlage-Universums nachzuzeichnen (die Regionen usw. der länderübergreifenden Indizes werden in den Factsheets irreführend als countries, also Länder, bezeichnet).

Weltweit gibt es ca. 40.000 börsennotierte Unternehmen. Einen repräsentativen Ausschnitt stellt der MSCI World dar. Ca. 1.500 Unternehmen sind in diesem Index vertreten. Unter den Top20 in diesem Index sind auch unsere Depotwerte Alphabet A+C, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway B, Johnson & Johnson, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla und United Health. Ergänzt wird der Top 20 Anteil noch von Chevron, Eli Liliy, Exxon Mobile, Home Depot, JPMorgan Chase, Mastercard, Nestle, Procter & Gamble und VisaCard.

Nur Aktien aus Ländern, die der Anbieter als entwickelte Märkte definiert, landen im Index. Alle anderen werden aussortiert. Sehr zweifelhaft, fallen doch China und Südkorea durchs Raster, da sie nicht als entwickelte Märkte gelten. Also sind beide große Industrienationen im MSCI World nicht vertreten. Fragwürdig erscheint auch die Entscheidung, die ehemalige Kronkolonie Hongkong als entwickelten Markt einzustufen, obwohl die britische Ex-Kolonie schon seit Jahren von China beherrscht wird. Aber wahrscheinlich denkt sich der Anbieter, ein bisschen China ist ja doch dabei. 

Schauen wir uns die Länder, die zu den entwickelten Märkten zählen, an. Kanada und die USA, aus Europa sind Belgien Dänemark Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz und Spanien im großen Weltindex vertreten. Aus dem pazifischen Raum finden wir dann noch Australien, Hongkong, Japan, Neuseeland, Singapur und last but not least Israel mit einem Sonderstatus als sonstige.

Wenn wir uns die Länder so betrachten, stellen wir fest, dass der ganz Index ist wirklich überarbeitungsbedürftig ist!

Der Indexanbieter legt auch fest, ab welchem Börsenwert eine Aktie zu den Größensegment Large Caps (große Aktien), Mid Caps (mittlere Aktien) Small Caps (kleine Aktien) oder Micro Caps (die restlichen sehr kleinen Aktien) gehört. Der MSCI World Index umfasst nur mittlere und große Aktien. Der Anbieter geht davon aus, dass 85 Prozent des Streubesitz- Börsenwertes aller Aktien der Industrieländer abgedeckt sind (70 Prozent Lage Caps und 15 Prozent Mid Caps).

Und als drittes Kriterium benötigt der Index noch die Gewichtung der Aktien. Um das prozentuale Gewicht jeder Aktie im Index zu bestimmen, berechnet MSCI den Anteil des Börsenwertes einer Aktie im Verhältnis zum Börsenwert aller Aktien.

Und so kommt man insgesamt auf ca. 1.500 Aktien, welche 85 Prozent des Streubesitzes an Börsenwert aller Aktie in den Industrieländern abdecken.

Wir haben schon auf das Problem von China und Südkorea hingewiesen. Außerdem fällt das Klumpenrisiko der US-Firmen auf. Aber Fakt ist auch, dass im Ländersegment der eine oder andere Börsenwert aus den nicht entwickelten Märkten fehlt. Zum Beispiel Petrobras aus Brasilien mit einer Marktkapitalisierung von immerhin 90 Milliarden Dollar. Oder aus Indien Reliance Industrie mit einer Marktkapitalisierung von 16,87 Billionen Indische Rupien (1 Indische Rupie = 0,01119 Euro). Beides milliardenschwere börsennotierte Unternehmen, die in dem Weltindex keine Rolle spielen, weil sie durch ein Raster fallen. Aber stellen wir uns einmal vor, welche Schockwelle durch die Märkte gehen würde, wenn in China, Indien, Brasilien oder sonst wo auf der Welt ein milliardenschweres Unternehme in die Schieflage gerät.

Bei dem MSCI World als Benchmark muss dringend nachgearbeitet werden, sonst verliert er seine Bedeutung.