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Börsenwissen: ESG-Kriterien

Carsten Witt klärt auf!

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Immer wieder kommt es bei Aktien-Anlagen zu verstärkten Nachfragen nach ESG-Kriterien. Auch wir haben schon mehrmals die ESG-Kriterien bemüht, wenn wir uns über spezielle Anlagemöglichkeiten Gedanken gemacht haben.

Bleibt die Frage, was ist eigentlich ESG?

Wie fast alles aus der Welt der Börse, kommen auch die Begriffe ESG aus dem Englischen. Ausgeschrieben bedeutet die englische Abkürzung ESG Environmental, Social and Governance und steht auf gut deutsch für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. In der Literatur und den Medien wird ESG auch häufig mit dem Begriff „nachhaltig“ gleichgesetzt. Eine Geldanlage kann demzufolge so konzipiert sein, dass sie einen Beitrag zu Umweltzielen, aber auch zur Erreichung von sozialen Zielen leistet.

Schauen wir uns nun einige Punkte zu den ESG Kriterien an.

Nachhaltigkeit ist für Konsumenten als auch in der Öffentlichkeit ein wichtiges Kriterium.

Das bedeutet, der Konsument möchte wissen, welche Produkte er kauft, ob sie nachhaltig produziert werden und wo sie produziert werden. Es ist auch nicht so, dass im stillen Kämmerlein irgendwelche Entscheider zusammensitzen und festlegen, was nachhaltig zu sein hat. Die Öffentlichkeit, also die Kunden/Verbraucher, bestimmen maßgeblich mit.

Die Regierungen der weltweit größten Treibhausgas (THG)-Verursacher streben eine klimaneutrale Zukunft an, in der Emissionen reduziert oder ausgeglichen werden.

Insgesamt haben rund 60 Länder und Regionen, die mehr als die Hälfte der globalen THG-Emissionen verursachen, für die kommenden Jahrzehnte ambitionierte Netto-Null-Emissionsziele zur Klimaneutralität eingeführt. Dass die meisten Regierungen nicht mehr im Amt sind, wenn die Abrechnungen erfolgen und wohl auch sehr viele Länder und Regionen die Ziele nicht erreichen werden, lassen wir erst einmal so stehen.

Der Trend zur Nachhaltigkeit kann und wird auch Verlierer hervorbringen.

So gilt es ausgemacht, dass z. B. die auf fossile Energieträger aufbauenden Unternehmen eindeutig zu den Verlierern gehören werden. Die Zeit ist reif zum Umdenken in den einzelnen Chefetagen oder etwa doch nicht?! Nun ja, da sich die Politik immer wieder wandelt, werden sich wahrscheinlich wieder die Vorgaben ändern. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die EU auf Druck der Lobby aus Frankreich und Deutschland Erdgas und Atomstrom mit ESG im Einklang betrachtet?! Aber glücklicherweise wird es nur als eine Brückentechnologie gesehen und viele Unternehmen haben etwas Luft für die Umstellung auf ESG gewonnen.

Der Fokus auf Nachhaltigkeit schafft große Chancen für Unternehmen, die an der Spitze des Wandels stehen.

Die Nachhaltigkeit ist ein Treiber für Innovation und Veränderung und schafft dadurch Anlagechancen, denn hier werden jährlich steigende Milliardenbeträge investiert.

So stiegen zum Beispiel die globalen Investitionen in die erneuerbaren Energien von 33 Milliarden Dollar im Jahr 2004 auf 304 Milliarden Dollar 2020. Die Ausgaben für Speicherung und Elektrifizierung wurden 2004 noch gar nicht als nennenswert erwähnt und lagen 2020 bei 197 Milliarden Dollar. Die Tendenz der Investitionen ist weiterhin steigend.

Bei ESG geht es um mehr als das Klima, der Fokus auf Soziales und die Unternehmensführung nimmt ebenfalls zu.

In den Geschäftsberichten werden immer mehr die Rubriken Vielfalt und Inklusion erwähnt. Im Jahr 2011 wurden diese Themen nur als Randnotiz in ca. 160 Berichten erwähnt und im Jahr 2021 (bis Juni) erreichten sie mit ca.360 Erwähnungen (MSCI All Country World Index) einen neuen Höhepunkt. Der jüngste Sprung in der Nennung sozialer Themen durch Unternehmen signalisiert ein steigendes Interesse an den Themen, dabei spielen Marketingstrategien sicher auch eine wesentlich Rolle,aber auch regulatorischen Druck.

ESG wirkt sich auf die Anlagelandschaft aus.

Immer mehr Kapital wird im ESG-Bereich investiert. Nachhaltig anzulegen ist nicht nur auf Aktien beschränkt. Umwelt- und Sozialprojekte erhalten durch die Ausgabe nachhaltiger Anleihen weltweit verbesserten Zugang zu Finanzierung und Krediten.

Und wer sich schon einmal auf dem Zertifikate-Markt umgeschaut hat, wird dort ebenfalls eine Menge Zertifikate auf ESG Produkte finden.

ESG verändert, wohin das Geld der Anleger fließt.

Bei der Einbeziehung von ESG-Kriterien und nachhaltigen Anlagen geht es nicht nur darum, finanziell gut abzuschneiden, sondern auch darum, Gutes zu tun. Aber trotzdem soll mit ESG-Anlagen auch Geld verdient werden.

Kritisch anzumerken bleiben die Greenwashing Aktionen in den Anlageangeboten. Und es wird auch Zeit. Die Marktaufsichtsbehörde ESMA arbeitet an quantifizierbaren Richtlinien für ESG und nachhaltiges Investieren, die Fondsmanager dazu zwingen, die Gestaltung und Vermarktung einer als Artikel 8 bekannten ESG-Fondsklasse zu überdenken. Nach Schätzungen von Morningstar (Fondsratingagentur) erfüllen derzeit nur 18 Prozent der vier Billionen Euro schweren Artikel-8-Fonds, die von der ESMA erwogenen Kriterien. Darüber berichtete Bloomberg News. Das ruft natürlich die Aufsichtsbehörden auf den Plan.

Wir werden als noch öfter über ESG-Kriterien, deren Überarbeitung und in Folge dessen weiteres Greenwashing erleben. So werden wir an dem Thema dran bleiben.