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Müssen die Märkte die Zinsschritte noch verarbeiten? – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Wie es mit den Aktien in diesem Jahr weitergeht, hängt entscheidend von mehreren Frage ab: Ist der Zinsanstieg bereits verdaut? Konzentrieren sich die Märkte auf zukünftige Zinssenkungen, die die Fed ja in Aussicht gestellt hat? Oder müssen die Märkte die vollzogenen Zinsschritte der Vergangenheit erst noch verarbeiten?

Schaut man sich die Aktienmärkte und auch die Rentenmärkte bis zum Jahresende 2023 an, dann hat der Markt seine Entscheidung getroffen. Und der Markt hat doch immer recht, oder? Oder hat vielleicht der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber recht, der in einem Interview mit dem Handelsblatt zum Jahresende in Bezug auf die veränderte Zinslandschaft sagte: „Wir stehen erst am Anfang eines langen Anpassungsprozesses. Nur wird allerorten so getan, als sei dieser Prozess längst vorbei.“

Man darf nicht vergessen, Weber war lange Zeit Verwaltungsratschef der UBS und gilt in der Bankenwelt als extrem gut vernetzt. Er dürfte die noch zu erwartenden Kreditausfälle im Hinterkopf gehabt haben.

Die Historie spricht für noch einige Verdauungsprobleme

Sollte es sich bei der aktuellen Abwärtsbewegung an den Märkten nur um eine Korrektur zu Jahresbeginn handeln und 2024 dann, wie von den meisten Experten prognostiziert, ein gutes Börsenjahr werden, wäre dies historisch betrachtet eher ungewöhnlich.

Denn ja, es gibt eine psychologische Komponente bei Zinsänderungen. Diese hängt immer davon ab, was die Notenbanker sagen und welche Wirtschaftsdaten jeweils veröffentlicht werden. Sind diese so, dass mit einer Zinssenkung zu rechnen ist, steigen die Aktien, im umgekehrten Fall fallen sie.

Ich erinnere mich noch gut an die Abwärtsbewegung nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA. Bei jeder Zinssenkung jubelten die Märkte kurz, dann ging es wieder abwärts, denn eine Zinssenkung oder auch mehrere kurz hintereinander ändern zunächst nichts an der Situation.

Zinsveränderungen wirken, wie hier immer wieder betont, mit Zeitverzögerung. Bis Anleihen oder Kredite fällig werden, vergeht Zeit. Erst dann müssen Unternehmen mehr Geld für Zinsen ausgeben und können weniger investieren oder geraten im schlimmsten Fall in Finanzierungsschwierigkeiten.

Beim jüngsten Zinserhöhungszyklus darf man nicht vergessen, dass er einer der schnellsten in der Geschichte und prozentual der stärkste überhaupt war. Üblicherweise müsste er noch Verdauungsprobleme hervorrufen.

Alt-Liquidität ist der Unsicherheitsfaktor

Wie erklärt sich dann aber, dass die Aktienmärkte nach über einem Jahr an Zinserhöhungen zum Jahresende teilweise neue Rekorde erreichten? Fraglos gibt auch mir dies Rätsel auf. Was ist anders als in früheren Zinserhöhungszyklen?

Zum einen steht das Bankensystem heute auf sicheren Beinen als vor der Finanzkrise. Das kann aber nur die Kreditseite erklären. Die schrumpfenden Geldmengen, die eigentlich tiefrote Ampeln für Aktien bedeuten sollten, erklärt es nicht. Kurzum, der Faktor der Liquidität ist stark negativ. Nicht zu vergessen: Die Liquidität ist das Lebenselixier der Börse, wie Börsenaltmeister André Kostolany immer zu sagen pflegte.

Eine Erklärung kann die Alt-Liquidität sein aus der Corona-Krise. Da waren zum einen die extrem hohen Spareinlagen der Amerikaner, die bekanntlich durch Coronahilfen mehr Einkommen hatten, als sie ohne gehabt hätten.

Zum anderen ist es aber auch einfach die Liquidität, die in die Finanzmärkte gepumpt wurde mittels Anleihenkäufen. Die Geldmengen schrumpfen, das ist richtig, aber schaut man sich den langfristigen Trend an, so liegen wir immer noch über dem Niveau vor Corona. Doch selbst wenn man dies berücksichtigt, dürfte der negative Einfluss nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben sein.

2024 verspricht auf jeden Fall ein sehr lehrreiches Jahr zu werden, in Bezug auf das Verhältnis von Geldmengen und Aktienentwicklung. Ist diese Abhängigkeit nach wie vor gegeben, gäbe es eigentlich nur eine Rettung für die Märkte. Die Konjunktur in den USA müsste stark einbrechen, so dass es zu einem extrem schnellen Gegensteuern der Fed kommt.

So bestünde womöglich die Chance, dass die sich dann wieder ausweitende Liquidität dafür sorgt, dass uns das dicke Ende erspart bleibt. Dann hätte uns die Alt-Liquidität quasi über das zwischenzeitliche Loch hinweggehoben. Wir werden es alle im Verlauf des Jahres merken.