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Kutzers Zwischenruf: Europa baut wieder Kondition auf

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Die Börsenprofis sind sich nach wie vor nicht sicher, welchen Markt man im neuen Jahr favorisieren sollte. Die Blicke wandern zwischen der Wall Street, Europa und China. Obwohl nicht alle Daten in die gleiche Richtung weisen, sind europäische Aktien wieder in den Blickpunkt gerückt – die Wirtschaft läuft insgesamt gesehen besser als noch vor einigen Wochen erwartet.

So sieht es auch der Investmentgigant Allianz Global Investors, der seine wöchentliche Börsenbetrachtung mit „Wie belastbar ist die Erholung in Europa?“ überschreibt. Man geht davon aus, dass die Öffnung Chinas in den nächsten Tagen etwas aus dem Blickfeld rücken wird, da die Marktaktivität und die Liquidität wegen des chinesischen Neujahrsfests geringer ausfallen sollten. Die Marktteilnehmer dürften sich stattdessen stärker mit der wirtschaftlichen Dynamik in Europa befassen.

Seit Ende des vergangenen Jahres haben sowohl der Euro als auch europäische Aktien einen Höhenflug hingelegt. Angesichts des ausgeprägten Kursanstiegs von US-Aktien rechnen die Märkte inzwischen damit, dass diese Papiere bei einer Markt-Rally überdurchschnittlich abschneiden. Tatsächlich jedoch hat die Aktienmarkterholung ab dem vierten Quartal 2022 vor allem außerhalb der USA stattgefunden.

Was sich aus europäischer Sicht geändert hat, skizziert AllianzGI wie folgt. Zum einen sind die Bewertungen niedriger, zum anderen hat sich die relative konjunkturelle Dynamik verändert. Die Erdgaspreise auf Sicht von einem Jahr sind in Europa noch immer fünf bis sechs Mal so hoch wie Anfang 2020 und stellen insofern für einige Bereiche der europäischen Industrie nach wie vor ein strukturelles Problem dar. Allerdings sind sie im Vergleich zum Höchststand im August vergangenen Jahres bereits wieder um zwei Drittel gesunken.

Im vergangenen Jahr wurden die Wachstumserwartungen durch die in die Höhe schnellenden Gaspreise deutlich gedämpft. Spiegelbildlich profitieren Vermögenswerte aus dem Euroraum nunmehr in dreierlei Hinsicht vom derzeitigen Gaspreisrückgang. Erstens verringert sich der Druck auf die europäischen Verbraucher. Weil nicht klar war, ob die Preise weiter steigen würden, sank die Nachfrage seitens der Verbraucher und der Unternehmen. Wenn die Unsicherheit über die Gaspreise schwindet, sollte sich daher die Nachfrage in gewissem Umfang erholen. Zweitens können sich auch die Regierungen, die ihren Bürgern nach dem Energiepreisschock Unterstützung zugesagt haben, über eine gute Nachricht freuen: Ihre Versprechen werden nicht so kostspielig wie befürchtet. Davon profitieren vor allem die Regierungen der Peripherieländer, denen es schwerer fallen dürfte, Käufer für umfangreichere Anleihevolumina zu finden. Und drittens verbessern sich bei sinkenden Energiekosten die Terms of Trade für den Euroraum. Die Aussicht darauf, dass sich die Handelsbilanz des Euroraums auf breiterer Basis erholt, stützt den Euro-Wechselkurs und verringert dadurch den Druck auf die Binneninflation, der von den in Dollar ausgedrückten Rohstoffpreisen ausgeht.

Angesichts der Erholung des ZEW-Konjunkturindex rechnet AllianzGI damit, dass die Unternehmensumfragen im Euroraum in der kommenden Woche noch besser ausfallen. Im weiteren Verlauf dürften die Aussichten auf eine Belebung der konjunkturellen Dynamik von einer raschen Wende bei der Kerninflation im Euroraum abhängen. Die Märkte sind inzwischen optimistisch, dass der Inflationsdruck grundsätzlich sinken könnte. Die Europäische Zentralbank warnte allerdings schon wiederholt, die Inflations- und Zinsentwicklung zu optimistisch zu beurteilen. Denn die EZB könnte ihre restriktive Geldpolitik bis zum Sommer fortsetzen. Bei einer anhaltenden Straffung der Geldpolitik sollte auch der Euro weiter aufwerten.