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Kutzers Zwischenruf: Das Comeback der Schwellenländer

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Mein Ausblick am Ende des ersten Börsenmonats wird viele von Ihnen nicht besonders motivieren, geschätzte Anleger. Denn die bekannten Chancen und Risiken bleiben, werden unter den Profis zumindest mit Blick auf die mutmaßlichen Zeitabläufe kontrovers diskutiert. Also eine Fortsetzungsgeschichte des vergangenen Jahres.

Was mich stört, ist die anhaltende Dominanz der Inflations- und Zinsbetrachtung. Es zeigt sich einmal mehr, wie kurzfristig Stimmungs- und Kursveränderungen an der Börse geworden sind. Längerfristig interessierte Privatanleger sollten sich lieber von den allmonatlichen Zahlenspielereien verabschieden und den Blick weiter nach vorn lenken. Der kann neuen Mut machen (keine geopolitische Zuspitzung vorausgesetzt), weil sich die Weltwirtschaft bei allen Unterschieden auf dem Weg der Erholung befindet.

Was Fed und EZB beschließen, ist tendenziell vorgegeben. Der allmähliche Rückgang der Inflationsraten wird dies ermöglichen. Analysten erwarten passend zur globalen Entwicklung für die kommende Woche die erste Runde der Zentralbank-Entscheidungen in diesem Jahr in den USA, der Eurozone und Großbritannien. Mehrheitlich wird eine Bestätigung der Ende 2022 eingeschlagenen Wege gesehen, da eine vorzeitige Beendigung des restriktiven Kurses zu viele Gefahren bergen würde.

Neue Informationen zur Inflationsentwicklung gibt es für die Eurozone und die wichtigsten Kernländer. Hier zeichnet sich eher eine weitere Entspannungstendenz ab. Die Erleichterung bei den Energiepreisen sorgt für deutliche niedrigere Vorjahresvergleiche in den Konsumentenpreisen. Dies reicht jedoch noch nicht für eine Kursänderung bei der EZB aus, so die vorherrschende Expertenmeinung.

Und welche Aktien sind auf weitere Sicht zu favorisieren? Europa und China bleiben bei internationalen Strategen auf dem Schirm, zunehmend auch die Emerging Markets. Die Erholung der Schwellenländeraktien dürfte sich 2023 fortsetzen. Davon ist James Donald, Leiter der Emerging Markets-Plattform bei Lazard Asset Management, überzeugt. Dafür sprechen aus Sicht des Experten die erwartete Ausweitung des Wachstumsvorsprungs der Schwellenländer gegenüber den Industrienationen, die nachlassende Inflation, ein schwächerer US-Dollar und sich verbessernde Fundamentaldaten bei den Titeln aus diesen Regionen. Lazard, eines der weltweit führenden Finanzberatungs- und Vermögensverwaltungsunternehmen, geht davon aus, dass sich die Differenz zwischen den Wachstumsraten in den Schwellenländern und den Industrienationen 2023 zugunsten der Emerging Markets ausweiten wird. Das heißt für Anleger: Im Vergleich zu den Industrienationen werden die Schwellenländer attraktiver werden.

Für ein Investment in Schwellenländeraktien sprechen letztlich auch die aktuell sehr günstigen Bewertungen – sowohl auf der Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) als auch des Kurs-Buch-Verhältnisses (KBV), in absoluten Zahlen und im Vergleich zu den Aktien der Industrieländer. Emerging-Markts-Titel würden mit einem Abschlag von 35 Prozent beim Kurs-Gewinn-Verhältnis und 44 Prozent beim Kurs-Buch-Verhältnis gegenüber den Industrieländern gehandelt und seien damit so günstig bewertet wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht. „Wir sind davon überzeugt, dass Schwellenländeraktien eine der am stärksten fehlbewerteten Anlageklassen sind, mit attraktiven Bewertungen im Vergleich zu historischen Niveaus“, sagt Donald und resümiert: Sofern es nicht zu einer größeren globalen Rezession kommt, spricht vieles dafür, dass die Schwellenländer 2023 in eine Phase der wirtschaftlichen Erholung und des höheren Wirtschaftswachstums eintreten werden.