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Kutzers Zwischenruf: China und Indien gehören in internationale Depots

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Internationale Investoren interessieren sich seit Jahren zunehmend für Wertpapiere der Schwellenländer – insbesondere für asiatische Aktien. Unter den Emerging Markets (EM) nehmen die Giganten China und Indien größen- und wachstumsbedingt herausragende Rollen ein. Das heißt allerdings nicht, der „Look East“ würde bei aller Fantasie eine überdurchschnittliche Performance garantieren.

Soeben vorgelegte Studien prominenter Player machen deutlich, dass es unabhängig von der kurzfristigen Kursentwicklung grundsätzliche Überlegungen gibt, die für die großen Asiaten sprechen. Ich bleibe ebenfalls dabei: Auch private Anleger mit einem international gemischten Portfolio sollten Aktien bzw. Aktienfonds aus diesem Raum nicht vernachlässigen.

So kommt Goldman Sachs Asset Management (GSAM) zu dem Ergebnis, dass China inzwischen eine Einzelbetrachtung verdient. Der Anteil Chinas am MSCI Emerging Markets (EM) Index hat in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen, von nur 7 Prozent im Jahr 2000 auf heute etwa ein Drittel. Dieser Anteil wird im Laufe der Zeit weiter steigen, da die schrittweise Einbeziehung von A-Aktien, die derzeit bei 20 Prozent liegt, weiter fortgesetzt wird. Bei einer hundertprozentigen Einbeziehung von A-Aktien könnte China 45 Prozent des MSCI EM Index ausmachen.

Zudem ist China der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt mit einem Börsenwert von fast 18 Billionen Dollar und knapp 5.900 gelisteten Aktien. Für die meisten Anleger, die in Schwellenländeraktien investieren, korrelierte die Marktperformance der Schwellenländer insgesamt bislang eng mit Chinas Binnenmarkt. Die Verbindung hat sich in den letzten beiden Jahren jedoch in gewissem Maße entkoppelt. Chinesische Aktien entwickelten sich 2020 inmitten der Coronavirus-Pandemie weitaus besser als der Rest der Schwellenländer, hinkten ihnen ein Jahr später aufgrund strengerer Regulierung und einer strikten Null-Covid-Politik aber deutlich hinterher.

Viele Anleger fragen sich daher, ob es an der Zeit ist, China als eigenständiges Anlageziel zu betrachten. Einschätzung von GSAM: Die Frage mag vielleicht durch die jüngsten Unterschiede in der Marktperformance aufgeworfen worden sein, doch wir halten die einschneidenden strukturellen Veränderungen in China für einen überzeugenden Grund, das Land allein zu betrachten.

Indien bietet eine Fülle von Investitionsmöglichkeiten. Im bisherigen Jahresverlauf gehörte Indien mit einem Plus von rund 12 % in Pfund Sterling zu den großen Aktienmärkten mit der besten Performance, während die meisten gewichtigen Märkte rückläufig waren. Laut einer Analyse von Jupiter Asset Management gibt es viele Gründe für die relative Widerstandsfähigkeit des Landes: Die makroökonomischen Aussichten Indiens sind relativ gut. Es ist die am schnellsten expandierende große Volkswirtschaft der Welt einem erwarteten Wachstum von knapp über 7 % in diesem Haushaltsjahr.

Tatsächlich hat Indien damit das Vereinigte Königreich überholt und ist zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen. Angesichts der Größe und der Wachstumsrate Indiens wird erwartet, dass das Land in der Rangliste weiter aufsteigt und nach den derzeitigen Prognosen bis 2050 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werden könnte. Mit über 7 % ist Indiens Wachstum deutlich stärker als das Chinas, das sich auf etwa 3,5 % (für 2022) verlangsamt hat.

Darüber hinaus bestehen in Indien nicht die gleichen politischen Risiken wie in China. Wir haben keine anhaltenden Abriegelungen oder extremen regulatorischen Eingriffe erlebt, und die Situation im Immobiliensektor ist genau umgekehrt. In Indien wurde in den letzten zehn Jahren zu wenig gebaut, wodurch jetzt ein erheblicher Nachholbedarf besteht, der den Beginn eines neuen Bauzyklus anheizt. Noch ein Argument: Die indische Wirtschaft entwickelt sich auch aufgrund der raschen Einführung digitaler Zahlungs- und Kredittechnologien rasch weiter. Rund 40 % aller weltweiten digitalen Transaktionen werden in Indien getätigt, was bedeutet, dass die Steuereinnahmen schneller wachsen, was wiederum zu höheren Investitionen in die Infrastruktur führt. Zudem ist Indien widerstandsfähiger gegenüber der Energiekrise.