Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Termine nach
Vereinbarung
Der Clubfonds-Ticker
Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Termine

nach Ver­ein­ba­rung

Kutzers Standpunkt: Keine Angst vor dem „kranken Mann Europas“

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Um das neue Modewort von TV-Kommentatoren zu gebrauchen: unfassbar! So kann man das selbstzerfleischende Schlechtreden des angeblich „kranken Mann Europas“ sehen. Typisch deutsch. Die Börse lässt sich davon nicht beeindrucken. Gut so.

Die vergangene Woche brachte eine schier unerträgliche Zunahme der Miesmacherei. Die Floskel von Deutschland als „Kranker Mann Europas“ wurde von Medien, Politikern und Ökonomen weitergereicht. Rezession, Inflation und das Abrutschen auf den letzten Platz unter den Industrienationen in allen möglichen Entwicklungen – schlimmer geht’s nimmer, oder?

Und wie reagiert die Börse? Sie differenziert, zeigt keine Signale für Panik. Und einige namhafte Anlageprofis bleiben mehr oder weniger gelassen, vertrauen auf künftiges Wachstum und die Notenbanken. Hans-Jörg Naumer, Vordenker beim Investmentgiganten Allianz Global Investors, skizzierte am Wochenende folgendes Gesamtbild: „Es wird viel gesprochen über die Rezession, aber ob sie am Ende kommt, ist unklar, zumindest was die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA betrifft. Deutschlands Wachstumsraten bewegen sich bereits im leicht negativen Terrain. Dem wird sich auch die Eurozone nicht entziehen können. Dazu kommt eine merkliche Abschwächung in China, die am Rest der Welt nicht vorbeigehen wird. Die US-Volkswirtschaft zeigt sich noch sehr robust und die Rezessionsprognosen schieben sich immer etwas weiter nach hinten.

Noch deutlicher wird Warburg-Stratege Carsten Klude, der auch an Erfahrungen aus der Vergangenheit erinnert: Die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands ist kein hinreichender Grund für den deutschen Aktienmarkt schwarz zu sehen. Wer sich an die 90er Jahre erinnert, weiß, dass Deutschland auch damals ein Wachstumsproblem hatte und als „kranker Mann Europas“ bezeichnet wurde, genau wie heute. Dennoch konnte sich die Performance des Dax damals sehen lassen: Von Anfang 1995 bis Ende 1999 kletterte unser Leitindex von gut 2.000 auf fast 7.000 Punkte – ein Wertzuwachs von 230 Prozent in nur fünf Jahren. Dies zeigt, dass die Dax-Unternehmen weit weniger vom Zustand der deutschen Wirtschaft als vielmehr von der Entwicklung der Weltwirtschaft beeinflusst werden, da sie einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland erwirtschaften.

Ich teile als Ergebnis die Ansicht der eher optimistischen Analysten – allerdings durch die langfristige Brille. Der künftige Verlauf ist nicht so eindeutig, wie man dies gerne hätte. Und doch sind die Kapitalmärkte trotz manch volatiler Tage insgesamt weiter stabil. Für den weiteren Jahresverlauf wird jedoch mit der anhaltenden Unsicherheit zu leben sein.

Wir brauchen politisch mehr Mut – Mut zu Taten auf allen (!) Ebenen. Mut ist ein Motor der Wirtschaft, bestimmt das Handeln der Investoren. Mut gehört auch zum Wesen der „Börsen-Bullen“. Seien Sie mutig, geschätzte Anleger! Ein „Deutschland-Pakt“ wäre nützlicher als das Jammern über den angeblich kranken Mann Europas.