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Die Geopolitik treibt das Gold – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Ganz ehrlich: Als ab Ende 2021 die Inflationsraten nach oben schossen, war Gold als Anlage eine große Enttäuschung. Schließlich gilt das Edelmetall als der Inflationsschutz schlechthin. Es ist eben nicht unbegrenzt vermehrbar wie das Papiergeld, sondern in seiner Menge überschaubar und begrenzt. Aber es nützte alles nichts.

Ab dem Frühjahr 2022 fielen nicht nur die Aktien, sondern auch der Goldpreis ging in die Knie. Und da aufgrund des starken Zinsanstieges sogar langlaufende Bundesanleihen über zehn Prozent verloren, war das Cash, vor dem ich immer gewarnt hatte, vor dem Hintergrund der von mir prognostizierten steigenden Inflation, real betrachtet, am Ende noch das geringste Übel. Der vermeintliche Inflationsschutz in Form von Sachwerten wie eben Gold, Aktien oder sogar Immobilien half zunächst nichts. So langsam scheint sich das Bild aber zu drehen.

Realzinsen wichtiger für Gold als Inflation

Es war schon in der Vergangenheit so, dass der Goldpreis vor allem an der Realverzinsung hing. Je höher diese ist, desto stärker ist die Konkurrenz für das unverzinste Gold, und desto eher kam es unter Druck. Allerdings orientiert sich der Preis nicht an der aktuellen Inflation, sondern an der für die kommenden fünf oder zehn Jahre erwarteten Inflation. Diese lässt sich an der Verzinsung inflationsgeschützter Anleihen mit der entsprechenden Laufzeit ablesen. Und da der Markt auf diese Fristen wieder Inflationsraten nahe des Notenbankziels von zwei Prozent erwartet, führte der Anstieg der Verzinsung von fünf- und zehnjährigen Staatsanleihen zu einem Anstieg der Realzinsen. Zuletzt sind wegen der Bankenkrise in den USA die Renditen länger laufender Anleihen aber wieder gesunken. Dementsprechend fiel jetzt auch die Realverzinsung, was dem Goldpreis geholfen haben dürfte.

Geopolitik womöglich Haupttreiber fürs Edelmetall

Wladimir Putin hatte wohl nicht damit gerechnet, dass man ihm selbst die im Ausland in Dollar gehaltenen Währungsreserven einfrieren würde. Sonst hätte er wahrscheinlich stärker vorgesorgt. Aktuell wird er sicherlich keinen Cent mehr im Dollar anlegen, zumindest nicht in der Form, dass sich die Beträge im Ausland befinden. Die größten Währungsreserven im US-Dollar und den größten Bestand an US-Staatsanleihen – die US-Notenbank ausgeklammert – besitzen die Chinesen. Für sie dürften die Sanktionen gegen Russland ein entscheidender Hinweis darauf gewesen sein, was mit ihren Währungsreserven passieren würde, würden sie beispielsweise in Taiwan einfallen. In gewisser Hinsicht befinden sie sich in Bezug auf ihre Währungsreserven in einer Abhängigkeit gegenüber den Amerikanern.

Das sollte Ihnen immer weniger gefallen und so dürften sie ihre Währungsreserven genauso wie Russland diversifizieren. Aber nicht nur Dollarreserven, alle Währungen der westlichen Welt, inklusive Japan, die sich als Währungsreserven anbieten, sind in gewisser Hinsicht eine Gefahr, wenn die geopolitischen Konflikte sich zuspitzen. Es bleibt ihnen eigentlich nur die universelle Währung Gold. Und diese Vermutung findet bereits ihre Bestätigung in den massiv gestiegenen Goldinvestitionen der Zentralbanken. Sie könnten ähnlich wie die Aktienrückkäufe in den USA für Aktien in den nächsten Jahren der Haupttreiber für den Goldpreis sein.

Die stärkste Kraft einer Kapitalanlage bleibt die Wiederanlage der Erträge

Wir setzen dennoch nicht aufs Gold. Unser intellektuelles Vorbild ist Warren Buffett, der früh erkannte, dass die stärkste Kraft der Kapitalanlage auf die lange Sicht die Wiederanlage der Erträge ist. Da Gold nichts ausschüttet, fehlt dieses Element und deshalb wird Gold langfristig niemals an die Aktienrenditen herankommen. Buffett erzählte mal eine lustige Geschichte: „Wenn es Außerirdische geben sollte, die so gute Fernrohre haben, dass sie uns Menschen auf der Erde beobachten können, dann werden sie viele rationale und gute Dinge sehen, die wir tun. Aber bei einer Sache würden sie wohl mit dem Kopf schütteln. Denn wir Menschen graben tiefe Löcher in die Erde, um in Staubform da so etwas gelbglänzendes herauszuholen.

Dann schmelzen wir es ein in Barren und Münzen, graben wieder Löcher in die Erde, um es dort hineinzubringen und dann für viel Geld von Leuten bewachen zu lassen.“ Frage: Wo ist hier ein Mehrwert für die Menschheit entstanden? Die Antwort ist einfach: Keiner. Man sollte es mit den Goldinvestments daher nicht übertreiben. Aber ich habe nichts dagegen, wenn Leute, die den Großteil ihres liquiden Vermögens in Aktien, Aktienfonds oder Mischfonds mit hohem Aktienanteil investiert haben, auch ein wenig Gold beimischen. Der eine oder andere kann dann besser schlafen. Und auch das ist neben auskömmlichen Renditen ein wichtiges Element, um ein entspanntes Leben zu führen.